Zu groß für den Kescher

Der 16. Mai gilt unter den Raubfischanglern ja als der inoffizielle Nationalfeiertag. Mittlerweile hat das sogar mein Mann verstanden, der mich am 16. Mai um 16 Uhr ans Wasser lies und sich um die Kinder kümmerte.

Während es morgens noch nass,kalt und bewölkt war, ging um 16 Uhr die Sonne am Himmel auf!

Ich beschloss mit dem Ruderboot lozufahren.

Erstmals ganz allein!

Das gute daran, wenn ein anderer (männlicher) Angler mit dabei ist (ich nenne jetzt keine Namen), ist die Tatsache dass man als Frau so gut wie nie rudern muss.

Somit wagte mich also heute also alleine auf den See, mitten unter die cirka 25 Angler die sich bereits auf dem dort eingefunden hatten!

Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde ich wäre ein guter Ruderer.

Mit sehr viel Mühe und Kraft eierte ich das Boot in einer guten halben Stunde hinüber zum andern Ufer.

Die zwei Boote in direkter Nähe waren voll besetzt mit mehreren Männern.

Blick Nummer eins trifft mich „ Noch ein Angler!“

Blick Nummer zwei: „Das ist ja ne Frau!“

Blick Nummer drei: „Nee, die hat wirklich ne Angel dabei!“

Kurzer „Angler-Smalltalk“ am Wasser:

„ Und geht was?“

„ Nö, bis jetzt nicht“

„ Bei uns auch nicht!“

„ Petri“

„ Petri Dank“

Nächstes Boot:

„Und schon was gefangen?“

„ Nö!“

„Wir auch nicht!“

So langsam verdichten sich die Boote an manchen Stellen…wenigstens weiß ich nun wo die ganzen Hot Spots sind!

Rudern ist anstrendend!

Als ich mit Mühe zwischen den drei Booten durchrudere, ruft mir plötzlich ein Angler vom Ufer aus zu:

„ Anglerverein Karlsruhe, Fischereikontrolle! Kommen Sie bitte ans Ufer!!“

Das soll jetzt wohl ein Witz sein, dachte ich mir!

Der See voller Boote und die Frau die sich einen abrudert wird rausgepfiffen!

Etwas angenervt rudere ich also zum Ufer.

„ Danke, Petri Heil“, das wars mit der Kontrolle. Das Boot steckt nun beim Ufer im Kies…und wer schubst es an?

Klar! Selbst ist die Frau! Mit etwas Anlauf schubse ich das Boot an und springe sportlich agil hinein, während mir beim Absprung das Wasser in den Gummistiefel läuft. Super! Aber aufgeben ist auch keine Lösung. Socken aus, Gummistiefel umdrehen und weiter geht’s.

Noch `ne Kontrolle wenn ich am andern Ufer bin muss wirklich nicht sein! Ich beschließe mit einem Spinner in Ufernähe vom Boot aus zu angeln.

Plötzlich ein Anbiss! Hecht!!! Ein Hecht denke ich mir….doch am Ende schaut mich ein 35 cm Rapfen an, der Radau machte wie ein 80er Hecht.

Fisch ist Fisch! Wenigstens gehe ich heute nicht Schneider nach Hause, denke ich mir so nebenbei.

Meine Angelkollegen auf den anderen Booten haben auch noch keinen Hecht gefangen.

Als ich in die Köderbox blicke, lächelt mich ein Wobbler an, den mir mein Angelfreund Achim mal geschenkt hat. Weiss im Zebradesign! Keine Ahnung was der fangen soll…aber ich beschloss dem Köder heute mal eine Chance zu geben, etwas an Wichtigkeit zu gewinnen.

Weit werfen lies sich der ca. 12 cm lange, fette Wobbler nicht….Von einem guten Köderlauf hätte ich jetzt auch nicht gerade gesprochen. Irgendwie eierte der Wobbler gewissermaßen an der Oberfläche herum. Bämmmmmm!!!

Plötzlich reißt es meine Rute nach unten.

Verdammt!!! Was war denn das? Als ich die Rutenspitze nach oben ziehe, zieht das Monster das gerade angebissen hat, meine halbe Rolle Schnur ab, obwohl die Bremse so gut wie zu ist.

In wenigen Sekunden stehe ich im Zentrum aller Augen der Bootsangler. Rutenspitze unten, Rutenspitze oben, Rolle schnurrt….Rolle fiept…..Rutenspitze an der Seite. Ein silberner Rücken!!!

Verdammt! Ein Rapfen!!

Dabei dachte ich immer, Stillwasserrapfen seien nicht so kampfstark!

Der Schweiß klebt mir auf der Stirn! Jeder Minute kommt mir vor wie eine Stunde. „Bloß nicht den Fisch verlieren, Sandra!“, sage ich mir immer wieder.

Schließlich ist er in Sichtweite! Verdammt!!! Vor mir kämpft ein 80+ Rapfen der für den meinen Bootskescher eine gute Nummer zu klein ist. Panik!

Mein Boot bewegt sich mit dem Rapfen mit und eiert wahllos mal nach links, dann wieder nach rechts.

„ Sollen wir helfen?“, ruft einer vonn drei Angler die gespannt die Situation beobachten!

Doch wie sollen die hier in 2 Minuten herrudern um den Fisch zu keschern? Und der Rapfen in meinem Bootskescher würde problemlos rausspringen mit seiner Größe und Kraft…Da musst jetzt durch!

Ich beschließe den 5 kg schweren Kämpfer mit der Hand zu landen, ungeachtet der Tatsache dass er mir gleich den Wobbler mitsamt dem Drilling in die Hand haut oder ich beim Landungsversuch ins Wasser falle.

Bingo! Da war er…84 cm geballte Kraft! Und ich war wider erwarten trocken und unverletzt!

Meine Knie zitterten noch gute 30 min.

Von mir aus könnte mich der nächste Kontrolleur jetzt rauswinken.

Ich wär jetzt soweit 😉

Was lernen wir aus diesem Mist,

dass auch in Stillgewässern mit Monsterrapfen zu rechnen ist!

Forellentagebuch 2018

Forellentag 1

Forellenangeln ist immer wieder eine Überraschung. Manchmal läuft es gar nicht, wie vor 2 Wochen als ich nach 4 Stunden Schneider nach Hause ging. Und manchmal steht man am Ufer und wird zum Lieblingsobjekt, schaulustiger Spaziergänger.

„Hey!!! Guck mal!!! Ne Frau!“

„Gibt es jetzt schon Fische im Wasser?“

Immerhin schweigen die meisten und blicken mich nur ratlos an.

Als sich eine Traube von 5 Spaziergängern hinter mir versammelt hat, zieht es urplötzlich meine Rutenspitze nach unten! Anhieb!!! Da flog sie, wie eine Condor im Anflug raus aus dem Wasser: Eine Bachforelle mit guten 35 cm geballter Kraft!

Nach links, nach rechts, nach links, rückwärts, vorwärts…..Die Spaziergänger kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die Hunde hinter mir bellen. Die Bachforelle kämpft!!! Hammer! Als ich den Kescher ins Wasser halte, rutsche ich ab und lande mit dem Gummistiefel im Wasser das in Kürze meinen Stiefel füllt.

Die Bachforelle springt erneut…veranstaltet eine Performance ähnlich eines Hechtsprunges… und hakt sich dabei selbständig ab.

Lange Gesichter bei den Spaziergängern.

Langes Gesicht bei mir.

Als ich den Spinner einhole, bleibt er an einem Ast hängen, als ich daran ziehe – schnallt er zurück.

Bämm!!Der Haken steckt in meinem Finger! Nach dem Entfernen fließt mir das Blut nur so über die Hand herunter!

So seh´n Verlierer aus!

Forellentag 2

Nachdem die Wetteraussichten gigantisch waren und im Terminplan nichts drinstand, freute ich mich wie ein Schneekönig, als mich Holger fragte, ob ich am Wochenende mit an die Murg zum angeln fahre.

Die einzige Hürde, die es nun noch zu überwinden galt, war mein Mann!

„ Schaaatz….!“, fing ich an.

„ Ich nehme an du willst angeln gehen?“, meinte der vielleicht beste Ehemann von allen.

„Hm….am Sonntag. Wäre es in Ordnung für dich wenn….“, hakte ich vorsichtig nach.

„Mit Holger? Kein Problem! So lange du willst!“, unterbrach er mich.

Ein Satz der runter ging wie Öl.

Eine Premiere! Angeln mit Open End bei über 20 Grad Celcius und wolkenfreiem Himmel!

Die graue Tonne gestern war erst gestern geleert worden: Eigentlich der sicherste Beissindex schlechthin, weil man mit Fischabfällen dann immer so unfreiwillig erfolgreich Maden züchten kann.

Gemeinsam mit Holger, Andreas und dessen Sohn ging es also um 10 Uhr an die Murg!

10 Uhr ist nicht wirklich die Zeit, wo man üblicherweise gut Forellen fängt.

Aber wann hat man schon mal einen Tag angelfrei? Dieses eine Mal war ich die Letzte am Wasser, dachte ich mir!

Einwurf …. der Köder hängt im Baum. Kein Rauben, keine Aktivität. Der Wasserstand an der Murg ist so niedrig wie schon lange nicht mehr!

Nach einer halben Stunde beschließen wir den Spot zu wechseln.

Einwurf….Bämm! Eine Forelle schnappt sich meinen Köder und…..hakt sich elegant noch vor dem Drill wieder selbst ab.

„Immerhin Fisch!“, meint Holger.

Am liebsten hätte ich geheult!

Plötzlich drillt Andreas eine 35er Bachforelle. Während ich gespannt nach drüben blicke, fährt plötzlich ein Ruck durch meine Rute.

„ Kescher!!! Holger!! Ich habe eine …“, schreie ich aufgreregt.

Mein eigener Kescher liegt rechts von mir- doch in der Aufregung dass mir auch diese Forelle möglicherweise vom Schonhaken entwischt, kann ich mich nur noch aufs Drillen konzentrieren.

Holger keschert meine erste Bachforelle 2018.

Nachdem alle etwas entspannter sind, läuft es wie am Schnürchen. Anbiss Andreas, Anbiss Holger. Anbiss Sandra. Diesmal lande ich eine Traumforelle mit 41 cm. Unglaublich!

Noch bevor sich das Adrenalin legen kann keschere ich wieder bei Holger und der in Folge wieder bei Andreas. Ein unbeschreiblicher Wahnsinn, den ich so bis dato nur vom Forellenpuff her kannte. Nachdem ich schließlich meine 3 Forellen gelandet habe, ist um die Mittagszeit ein Zwangsangelstopp angezeigt.

Wahnsinn! Meine Tageshöchstmenge ist erreicht. Und das, wo ich seit langem endlich mal wieder den ganzen Tag „angelfrei“ von meinem Mann bekommen habe!!!

Letztes Jahr, habe ich an der Murg einen einzigen Döbel gefangen.

4 Angler, 10 Fische…. in 2 Stunden an einem gewöhnlichen Fluss.

Was soll ich dazu noch schreiben…außer : Wahnsinn!

Ein Angeltag der in meine persönliche Geschichte eingeht.

 

Forellentag 3

Nachdem ich zuletzt also innerhalb kurzer Zeit so viele maasige Forellen an der Murg fing, dass mein Fangbegrenzung erreicht war, trat mal wieder die ungefähr 2wöchige Fang-Euphorie ein. Ein unbeschreibliches Gefühl der Sicherheit, dass es „so“ die nächsten Monate weitergeht. Also beschloss ich in voller Euphorie Samstagmorgens ein anderes Forellengewässer aufzusuchen. Insgesamt 2 Stunden Zeit hatte ich zu Hause herausgehandelt.

In Sichtweite raubte (mal wieder) eine bekannte und wunderschöne, große Bachforelle.

Alle zwei bis drei Minuten hüpfte eine altbekannte Forelle vor mir aus dem Wasser und präsentierte mir ihren Rücken.

Bereits zwei Tage beobachtete ich den Räuber bei der Jagd auf Insekten. Doch Spinner, Gummifische und Wobbler wurden nicht im Geringsten beachtet.

„Fliege!“, dachte ich mir! Warum war ich nicht gleich draufgekommen!

Trockenfliege, Nymphe, Streamer, Emerger….und wie sie allesamt heißen….in allen erdenklichen Farben und Größen….Ich präsentierte der Forelle mit einer mittlerweile fast vorbildlichen Wurftechnik….doch die Forelle raubte weiter! …ohne jegliches Interesse an meiner Fliege.

Ich beschloss das Vorfach zu ändern! Während ich die Rolle einkurble produzierte ich einen beispielslosen Schnursalat. Danach saß ich geschätzte 30 min. am Ufer und entwirrte meine Hauptschnur.

Plötzlich: Ein feindlicher Angler.

„ Und was geht?“, fragt er beiläufig und donnert seinen 2-erSpinner in die Strömung.

„ Guuuut!“, antworte ich, während mir mein Herz zu den Adern hochpocht und ich nur noch einen Wunsch verspüre: „Bitte!!! Bitte fange jetzt nicht meine Forelle….Nicht während ich hier meine Hauptschnur entwirre!“

„ Schon was gefangen?“, frage ich beiläufig nach.

„ Ja, ne 36er! Komischerweise beißen heute alle auf Spinner!“, bekomme ich zur Antwort.

„Oh Gott!!“ Mein Herz pocht geschwindigkeitstechnisch mittlerweile im Akkord.

Erneut zieht der Angler mehrmals den Spinner durch das Revier (der noch vorher dort springenden Forelle) durch.

Wenigstens hatte sie aufgehört zu springen! Meine Wenigkeit hatte sie wohl erfolgreich vertrieben.

„ Komm bloß nicht wieder in dein Revier zurück, bevor ich wieder einsatzbereit bin!“, dachte ich mir und entknotete unter massivem Stresseinfluss weiter meine Fliegenschnur.

Minuten die einem wie Stunden vorkommen!

Jeder Einwurf des Anglers ein Horror in meinen Ohren und Augen!

Sollte ich ihm vielleicht erzählen dass ich auf der andern Seite gerade eine kapitale Forelle verloren hatte? Oder dass es vorhin am andern Ende des Flusses gerade geraubt hat?

Hm….??? Lügen können andere Angler besser, dachte ich mir. Zudem wäre es schon dreist, wenn ich dann zufällig vor Ort bleiben würde…oder noch schlimmer….Der Angler lässt mir den Vortritt und ich muss auch noch meinen Hot Spot verlassen um meine Glaubwürdigkeit zu bewahren!

„Ob ich ihm vielleicht offen und ehrlich sagen soll, dass ich hier- genau hier- gerne weiterangeln möchte, weil ich seit drei Tagen hinter dieser- und nur dieser einen Forelle her bin?“, ich überlegte still.

„Da ist ne Forelle! Die springt immer und jagt an der Oberfläche! Seit 2 Wochen versuche ich sie schon zu fangen, aber sie nimmt weder Blinker, Spinner, Wurm, noch Wobbler!““, meint der Angler zu mir.

Verdammt! Der Feind hat geheime Informationen!

„ Ahhhja??“, frage ich, „ vielleicht sollte ich mal mein Glück mit der Fliege probierren?“

Der Angler überlässt mir meinen Platz ( yessssss!!) auf dem ich erneut mit einem neuen Vorfach durchstarte.

Erfolglos.

Nach einer Stunde beschließe ich nach Hause zu fahren.

Und wenn die Forelle bis heute keiner gefangen hat, springt sie noch immer.

Und was lernen wir aus diesem Mist?

Dass nicht jede Forelle fangbar ist.[:]

50 Forellen

 Vor einiger Zeit lief im Fernsehen der Film „Lachsfischen im Jemen“.

Zufälligerweise blieb ich an dem Film hängen, als ich abends Herrin der Fernbedienung war und das Fernsehprogramm aussuchen durfte:

Zapp…und Zapp….und Zapp….Moment….der hatte doch ne Angel in der Hand! Zurück und….das standen die zwei Hauptdarsteller mit Fliegenruten im Wasser, als der rechte ( ein Scheich) zum linken Angler (ein Fischereiexperte) sagte:

„Ich fische immer mit ihrer Fliege, mit der Alfred-Jones-Fliege!“

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, Sandra!“ bruttelte es rechts von mir auf dem Sofa.

„…der gibt einem Köder seinen eigenen Namen?“

Also im Prinzip, fand ich die Idee gut!

Auf jeden Fall war ich am Wochenende zum angeln verabredet, und zwar mit ein paar Fliegenfischern am Forellensee im Schwarzwald.

In unterkühlter Erinnerung an unsere letzte Fliegenfischaktion in Frankreich als der See halb zugefroren war und wir 80 Euro für eine Forelle hinblätterten….überlegte ich tagelang ob ich die Aktion nicht abblasen sollte.

Tagelang schossen Bilder in meinen Kopf mit blauen Fingern, Schneebergen, leeren Eimern und versehentlich-verlorenen-mit-Liebe-gebundenen Fliegen!

Tagelang….ja tagelang, bis….ja, bis ich Mittwochs im Asialaden einkaufte und spontan einen Glückskeks entscheiden lies.

Wahrscheinlich steht jetzt wieder sowas drin wie „Der Tag ist zu Ende wenn es Nacht ist“

Doch der Keks offenbarte mir folgendes:

 

Ich entschied mich also für die Herausforderung!

Um 8 Uhr des Angeltages sprangen nochmal 2 Leute ab, die unbedingt mitwollten, denen aber 1 Grad Celcius Angeltemperatur morgens um 8 Uhr dann vermutlich doch etwas zu frostig war. Es blieb der harte Kern:

Tjaark, Peter und meine Wenigkeit.

Einsam standen wir am großen See, während noch vereinzelt die letzten Schneeberge auf der Wiese standen.

„Wir brauchen 42 Forellen!“ ,meinte Tjaark. Ich brauchte vier und Peter auch.

50 Forellen!

Zur Sicherheit hatte ich noch eine Ansitzangel und eine Spinnangel dabei, Schneider durfte ich heute auf keinen Fall nach Hause kommen!

Dann ging es los. Tjaark hatte bereits den Platz auf dem langen Holzsteg eingenommen und drillte bereits Forelle um Forelle.

Und ich….verlor meine ersten drei Fliegen zuerst mal hinter mir im Gras.

Während ich montierte, drillte Tjaark Forelle Nummer neun! Schön in Zwangs-Sichtweise- auf dem Holzsteg mitten des Sees.

Neiiiin- so etwas setzt eine Mittelklasse-Fliegenfischer wie mich gaaaaar nicht unter Druck!

Danach ging gar nichts mehr. Verknuddelte Schnüre, laut aufplatschende Fliegen vor denen die Forellen flüchteten…Und auf dem Holzsteg wurde Forelle um Forelle gefangen.

Frustriert blickte ich auf meinen leeren Eimer.

Ok, dachte ich!

Jetzt nimmst du deine Spinnrute und machst was du richtig gut kannst. Spinnfischen!

3 Einwürfe- 3 Bisse. Jetzt war ich beruhigt.

Peter tat dasselbe.

Von nun an konnte ich entspannt Fliegenfischen-ohne Fangzwang. Immerhin waren 3 Forellen sicher!

Ich beschloss an einen der kleineren Seen zu gehen. Doch die Forellen schwammen regelrecht um jede Trockenfliege und Nymphe herum, um sich 1 Meter nebendran auf die Bienenmaden zweier Männer zu stürzen. Eine Stunde lang donnerte ich erfolglos mein ganzes Repertoire an Fliegen ins Wasser. Erfolglos.

„Wooly Bugger schwarz mit sinkendem Vorfach!“, bekam ich schließlich den Tipp von Tjaark, nachdem ich schon wieder langsam mit der Spinnrute liebäugelte.

Selbstverständlich hatte ich ein schwimmendes Vorfach und keinen Streamer dabei!

„ Nimm von mir einen!“, bot mir Tjaark an.

Verdammt! Den letzten den mir Tjaark auslieh, hängte ich nach 2 Minuten in den Baum!

Ich zögerte. Dann griff ich doch in die Köderkiste von Tjaark.

Auswurf und….weg war Wooly Bugger!

Ein zweites Mal getraute ich mich nicht zu fragen, immerhin hatte Tjaark noch immer den ersten dran!

Wieder eierte ich an den Seen mit meiner Trockenfliege herum.

Zuletzt sogar mit Genehmigung vom Chef am oberen Aufzuchtbecken.

Doch die Forellen schwammen einfach um meine Fliegen drumherum!

Wütend schnappte ich meine Spinnrute und zog einmal den Spinner durch! Ich wollte wissen ob ich der Fiegenlooser war oder ob die Fische einfach keinen Hunger hatten!

Einwurf! Rums. Die Forelle hing!

Enttäuscht kehrte ich mit Forelle und Fliegenrute am großen See zurück.

Ein sichtlich strahlender Peter empfing mich am Wasser!

Er hatte soeben eine Forelle auf Fliege gefangen- und zwar auf die ziemlich hässlichste Fliege in schwarz-weiss. Dick und einfach und alles- aber nichts was ihr auch nur den Hauch einer Fängigkeit gegeben hätte.

Das einzig Beste war: Sie war selbstgebunden!

Peter entnahm nun Nummer zwei seiner selbstgebundenen Fliegen. Modell zwei stellte Modell eins gehörig in den Schatten! Eine lange, große Fliege in Streamer-Marnier, mit einem langen weißen Schweif, Glitzer und beschwerten Augen!

Das Ding bewegte sich im Wasser elegant wie ein lambada-tanzender Guppy.

Vor 1 Jahr hatte Peter das Ding beim gemeinsamen Fliegenbinder-Treff bei mir zu Hause gebunden. Jetzt war also Premiere!

Bämmm! Da hing sie. Fliegenforelle Nummer zwei!

Nächster Einwurf- Fliegenforelle drei!

Peter wurde mutig und holte einen grün-orangenen Streamer mit roten Augen aus der Box!

Ebenfalls selbstgebunden!

In Sichtweite ein Schwarm Forellen!

Einwurf Sandra – eine einzige Forelle schaut sich die Fliege an und wendet sich blitzartig zu Peters knallebunten do-it-yourself-Fliege.

Die restlichen Fische folgen ihr.

Peter kann sich quasi nicht mehr vor einem Anbiss schützen! Bämm! Die nächste hängt.

Dann kam Thomas noch dazu, ein weiterer Fliegenfischer.

Erster Auswurf und die Schnur landet gerade, perfekt und gute 20 Meter weit im Wasser!

Beeindruckt von der perfekten Wurftechnik blicken Peter und ich uns an.

„ Fassen wir also zusammen!“, meinte ich zu Peter, „ Tjaark ist der erfolgreichste Fänger, Thomas der erfolgreichste Werfer, du der erfolgreichste Fliegenbinder! Doch welche Rolle habe ich heute?“

Peter zögerte und lachte„ …wie wärs mit der der Kescher-Liesl ?“ Da biss auch schon wieder die nächste Forelle an bei ihm.

Irgendwie machte mir keschern tatsächlich sogar mehr Spaß als fliegenfischen mit der falschen Fliege!

„Komm, nimm mal meine Fliege!“, meinte Peter.

Ich überlegte…. immerhin hatte ich schon 6 Fliegen im Gras und an Ästen verloren. Tjaarks Streamer eingeschlossen. Eine selbstgebundene Super-Fliege anzufassen traute ich mich nicht (mehr). „ Ist nicht schlimm wenn sie weg ist, dann binden wir einfach ne Neue!“, beruhigte mich Peter und brachte seine Forelle vor zu Tjaarks Fischeimer.

„BESTE CHANCEN-NUTZEN SIE JEDE GELEGENHEIT!“ dachte ich so bei mir. Den Glückskeks stets vor Augen.

Nach etwas Zögern, ergriff ich die Chance.

Einwurf Peters Fliege und….4 Forellen verfolgen aufgeregt den Köder!!!! Das Adrenalin schießt mir wie ein Wasserfall ins Blut. Bämmm! Da hing sie! Meine Fliegenforelle!!!

„ Jaaaaa! Ich habe ne Fliegenforelle!!!!“, schrie ich vor Freude quer übern See!Mit Peters Fliege“

Gefühlt hat der ganze See geklatscht.Real kein Schwein. Aber gefreut hat es mich bis in die Abendstunden.

„Und wie heißt die Superfliege? Die Peter-Fliege“, meinte ich.

„Nee, eher brasilianische Sommerparty-Fliege“, meinter er, „die binden wir dann nochmal, bevor wir nächstes Mal wiederkommen!“

Und was lernen wir aus diesem Mist?

Dass Fliegenbinden doch sinnvoll ist![:]

Frauen und Angeln

„Frauen soll das angeln näher gebracht werden!“ So oder so ähnlich lautet die Zielsetzung der diesjährigen Messe Aquafisch am Bodensee. Eigens dafür engagiert man Claudia Darga, die als Botschafterin fungieren soll.

Es wäre gelogen, wenn es ich nicht zugeben würde, dass es mich in den Fingern kribbelte, als ich die Strategie durch mein Großhirn filterte.

Wenn die männlichen Funktionäre von Verbänden sich Gedanken machen darüber, „was Frauen wollen“, kann nicht wirklich viel Gutes dabei rauskommen.

Vor 3 Jahren hatte ich mich schon einmal zu einem Angelkurs für „Ladies“ angemeldet. Die Organisatoren und Instruktoren: Alle männlich! Am Ende hielt ich einen Prosecco in der Hand, eine pinkfarbene Rute, eine knallpinke Tasche mit der Aufschrift „ I love fish“ und mein Ohr blutete schon leicht, von den „Guides“ die mir erzählten welche Riesenfische sie schon gefangen haben in ihrem Leben. Einen Fisch fing keine der Frauen- und das in einem besetzten Forellensee!

Und jetzt? Jetzt wollen die männlichen Chefs und Geschäftsführer der Angelszene also „Frauen an die Angel bringen“. Oder besser gesagt Caudia Darga soll das nun erledigen.

Nur mal so als Überlegung liebe Männer:

Glaubt ihr wirklich wir Frauen kommen wegen einer attraktiven Anglerin auf die Aquafish oder identifizieren uns mit ihr, wenn wir sie in der Zeitung sehen?

Angeln ist nun einmal männerdominiert! In einer ähnlichen Quote wie Ballett frauendoimiert ist.

Mein Sohn entschloss sich im Alter von vier Jahren, dass er gerne Ballett machen möchte. Ich erinnerte mich daran, wie ich als 4jährige in den Fussballverein wollte und mir meine Mutter es ausgeredet hatte „weil das nur was für Jungs sei!“. Selbstverständlich stimmte ich zu.

Die Ballettlehrerinnen breiteten den roten Teppich aus. Jede Umdrehung – egal wie schief- wurde mit Beifall honoriert. Die Mädchen knuddelten ihn und überhäuften ihn mit Süßigkeiten.

Als er fünf Jahre alt war, hörte er schlagartig auf beim Ballett.

Sein Kumpel hatte ihn gefragt, ob er „auch ein Tütü tragen würde beim Ballett“!

Als ich meinen Freundinnen damals erzählte, dass ich den Angelschein gemacht habe, kam fast immer dieselbe Reaktion: Zuerst ein 2-Sekundenlanger Gesichtsabsturz, gefolgt von den Satz „Tötest du auch die Fische?“.

Was ich damit sagen möchte ist ganz einfach: Auch wenn fast jede Telenova im Fernsehen mittlerweile ein homosexuelles Päärchen hat, sind wir noch lange nicht von Klischees befreit was in der heutigen Welt normal ist.

Doch wie ändert man ein Klischee?

Indem man Bruce Willis bei den Internationalen Ballettmeisterschaften ins Foyer stellt um Männer an die Ballettstange zu bringen? Mal im Ernst- würde euch das überzeugen?

Meiner Meinung so wenig, als dass eine Teamanglerin die überwiegend männliche Kundschaft davon überzeugen wird, ihr Frauen die während sie auf der Messe sind, Wellness im betreiben, an die Angel zu bringen!

Und liebe Männer!! Kommt bloß nicht auf die Idee eure Frauen im Anschluss mit der Aussage überreden zu wollen „Schau mal ich habe ein Foto gemacht mit dieser bildhübschen Claudia Darga im Arm! Die ist der Meinung dass auch du angeln kannst!“.

Sowas kommt überhaupt nicht gut an!

Was ich damit sagen möchte: Und….. wenn wir die Welt von Klischees befreien wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen. Wenn wir Klischees ändern wollen, müssen wir zuerst ihren Ursprung verstehen.

Und der Ursprung sind Fakten die Klischees gegründet haben. Frauen haben schon allein wegen ihrer körperlichen Statur eher ein Affinität zum sammeln, als zum jagen (oder fischen).

Wir sind dafür gemacht Dinge zu suchen, zu finden und zu horten. Genau das ist der Grund, warum wir uns über jedes Paar Schuhe freuen- obwohl wir schon 20 Paar im Schrank stehen haben! Der Grund warum wir shoppen gehen. Wir gehen unserem Urtrieb nach- wir sammeln!

Und wir sehen auch (fast) alles. Die Butter im vollen Kühlschrank, das Lieblingsschampoo in einem Regal mit 95 verschiedenen Flaschen und die richtigen Spaghetti in einem fünf Meter-langen Nudelregal im Supermarkt! Und wir sehen auch die attraktive Frau auf der Aqua-Fisch, die angelt und die uns unter Druck setzt zu angeln, weil unser Liebster sie genau deswegen anschwärmt.

Die Aqua-Fisch ist vielleicht ein Ort der diese Sehnsucht der Frauen zu angeln wecken kann. Doch dafür muss ich die Frauen erst einmal dazu bewegen auf die Messe (mit) zu gehen. Und solange ich 11 Euro Eintritt bezahlen muss als Nichtanglerin – bleibe ich da lieber im Hotel und gönne mir einen oder zwei Detox-Smoothies. Auch wenn das Zeug widerlich schmeckt. In dem Magazin stand nämlich es soll gesund sein.

Angeln – das heißt für Frauen genau sechs Dinge:

1.) Ruhig sein. Und das wo wir doch das kommunikationsfreudigste Geschöpf dieser Welt sind.

2.) Draußen zu Frieren. Und das wo wir ohnehin immer kalte Hände und Füße haben.

3.) Eventuell ein Tier töten zu müssen. Und das wo die Hälfte unserer Freundinnen Vegetarier sind.

4.) Sich optisch zu entstellen. Oder genauer: Sich in tarnfarbener, wasser- und winddichter Angelkleidung und potthässlichen Gummistiefeln optisch völlig zu entstellen und am Ende vielleicht sogar nach Fisch zu riechen.

5.) Hinter einen Busch zu pinkeln und dabei hoffen, dass einem keine Zecke den Hintern hochkrabbelt. Im Stehen, am Baum klappt das leider nicht so gut bei uns.

6.) Nicht ausschlafen zu können, wo man bis nachts um 2 Uhr einen Liebes-Roman gelesen hat, weil man noch unbedingt wissen wollte ob sich der untreue, böse, wunderhübsche Millionär im Buch nun tatsächlich in die durchschnittliche Protagonistin verliebt und plötzlich ein guter Mensch wird.

Wer Frauen zum angeln bringen will, muss genau diese Probleme lösen. Bringen wir die Sache auf den Punkt:

Frauen die gerne reden, sollen auch am Wasser reden dürfen! Und wer glaubt, deswegen beißen die Fische nicht, der soll mit seiner Liebsten spinnfischen gehen. Spätestens nach 3 Kilometer Laufstrecke am Rhein, reden auch wir Frauen weniger.

Wir Frauen fühlen uns, wenn es uns kalt ist, mindestens so schlecht wie ihr Männer wenn ihr mit einem grippalen Infekt im Bett liegt!

Stattet uns aus! Mit Tee, warmen Decken, elektrischen Taschenwärmern, gefütterten Gummistiefeln und viel Liebe.

Lasst uns nicht mehr als mit einem Haken angeln, damit die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Fisch versehentlich noch woanders haken als am Maul, deutlich sinkt.

Wenn man einen Fisch mit einem Tuch festhält, kann man ihn schneller betäuben und töten. Und das ist uns Frauen vielleicht wichtiger als den Männern. Warum wohl gibt es so wenige Metzgerinnen auf der Welt?

Ansonsten hilft uns bei Abhaken des Fisches im Wasser.

Lasst uns nach dem Angeln ein Bad ein, damit wir uns wieder gesellschaftsfähig fühlen.

Geht mit uns Frauen, erst einmal an einen gut besetzten Forellensee! Und bitte: Freut euch wenn wir den größeren Fisch fangen! Seid für uns der Angelfreund den ich euch selbst wünscht! Auch wenn euer männliches Ego etwas anderes möchte.

Ihr Männer seid für uns Frauen die Helden am Wasser! Weil ihr da draußen stärker seid, nicht so schnell friert und weil ihr euch nachts allein am Wasser aufhalten könnt, ohne dass ihr Angst haben müsst, dass ein Triebtäter kommt, euch zu Boden reißt und vergewaltigt. Weil ihr in der Lage seid uns mit Essen zu versorgen. Genau um diesen Urtrieb geht es beim angeln. Wir wissen das. Ihr müsst es uns Frauen nicht durch eure Fanggalerie beweisen. Wir brauchen das so wenig als wie ihr entscheiden möchtet ob die zinoberroten, kirschroten, dunkelroten oder orangeroten Schuhe besser zu unserem Kleid passen.

Zeigt uns was ihr könnt. Nehmt Rücksicht auf unsere naturgegebenen Nachteile. Macht keinen Wettkampf daraus. Überredet uns nicht zum angeln. Weckt die Sehnsucht nach dem Wasser und der Natur in uns! Dann werden auch wir mit angeln gehen.[:]

Angeln vorm Kamin

Nein! Minus 14 Grad Celcius waren nicht wirklich Temperaturen bei denen man die Tage hätte angeln wollen!

 

Stattdessen feuerte ich zu Hause den Holzofen an. Sehnsüchtig schaute ich aus dem Fenster. Immerhin waren jetzt die Forellen offen!

 

Mein Sohn schaute mich mitleidig an: „ Aber Mama! Du kannst doch auch in Minecraft angeln!“

Zur Info: „Minecraft“ ist irgendein Computerspiel, dass momentan jedes zweite Kind zwischen 7 und 15 Jahren spielt und dass ich auf 30 min. täglich begrenzt habe ohne zu wissen warum es da genau geht.

 

Ich : „ Angeln? Ich dachte das ist ein Spiel wo man mit virtuellen Steinen Häuschen baut?!“

Plötzlich widerfährt mir ein Tsunami an Infos:

 

Meine Tochter: „ Da kann man bauen und Tiere züchten und „spawnen“ ….und angeln….und….“

 

Mein Sohn: „ Und der Lukas hat schon nen Kugelfisch gefangen! Und außerdem……und sowieso….“

 

Irgendwann komme ich nicht mehr mit. Irgendetwas wird „gespawnt“ und dann sucht man ein „Enderauge“ und einen „Enderdrache“ und sperrt Dorfbewohner ein, weil sonst „Endermen“ kommen und ….Langsam wird mir alles zuviel!!

 

Innerhalb von wenigen Minuten sitzen die Kinder mit dem Tablet auf dem Sofa und rufen mich zu sich her. Mama kriegt das Tablet in die Hand gedrückt und darf sich in einer virtuellen „Minecraft-Welt“ fortbewegen.

Bereits nach wenigen Sekunden entdecke ich einen See.

 

Meine Tochter: „ Jetzt musst du >Angel auswerfen< klicken….und wenn es blubbert und an der Schnur zieht drückst du „angeln“…..und wenn…“

 

Weiter kommt sie nicht. Ich habe bereits den Anhieb gesetzt und meinen ersten virtuellen Fisch geangelt. Die Kinder jubeln.

Nächster Auswurf. Es blubbert. Anhieb! Diesmal habe ich einen Kugelfisch gefangen! Alles gröhlt und freut sich wie ein Schneekönig.

Mein Sohn läuft schreiend durch die Wohnung: „Papaaaaa, Mama hat in Minecraft nen Kugelfisch geangelt!“

Mein Mann schüttelt den Kopf.

Nie hätte ich gedacht dass ich einmal bei Minusgraden auf dem Sofa mit meiner Tochter, (die keinen toten Fisch sehen kann), einmal angeln werde.

 

Meine Tochter ist begeistert: „ Weisst du Mama, wir könnten dir ein riesiges Angelhaus bauen und dir verzauberte Angeln reinstellen!“

 

Mein Sohn: „Und dann….dann bauen wir dir eine Insel und einen Steg aus Glas!“

 

Die virtuelle Welt gefällt mir!

 

Plötzlich springt ein virtueller Hund ins Wasser!

 

„Der will einen Fisch!“, meint meine Tochter,“ wenn du ihm keinen Fisch gibst, verscheucht er dir die Fische!“

 

Auf einmal wird es Nacht auf der virtuellen Mecklenburger Seenplatte!

 

Meine Tochter reist mir das Tablet aus der Hand! Schnell- du musst schlafen. Sofort!!!

 

Während meine Tochter irgendetwas herumtippt, hole ich mir einen Kaffee.

 

Aufgeregt diskutieren meine zwei Kinder über mein geplantes virtuelles Angelhaus:

 

„Wir werden dir einen Graben aus Lava um dein Angelhaus errichten! Dann kommen die „Creeper“ (Zombis) nicht rein. Und bewirf auf keinen Fall einen Endermen (irgend ein anderes Männchen) mit deiner Angel! Sonst telepathiert er sich hinter dich und tötet dich!“

 

Irgendwie gefällt mir die virtuelle Welt jetzt doch nicht mehr so sehr.

 

„Du könntest dich mit dem Internet verbinden, Mama! Dann könnte der Papa von Johanna dich im Angelhaus besuchen, der angelt doch auch! Und wenn ein Creeper kommt und euch töten will, dann könnt ihr den zusammen mit der Angel bewerfen…Johanna hat das auch schon gemacht. Damit kann man die töten. Nur in die Lava dürft ihr dann nicht reintreten, sonst seid ihr beide tot. Aber wenn der Enderdrache kommt dann macht er das Angelhaus kaputt!“

Draußen hat es mittlerweile 14,5 ° C!

Auch wenn nicht alle 2 Minuten das Wasser blubbert und ein Fisch beißt. Auch wenn sich keiner mit mir freut am Wasser. Und auch wenn ich keine eigene Insel mit Glassteg und Angelhaus habe….als ich die Vögeln zwitschern höre und spüre wie der Frühling kommt, weiß ich dass die reale Welt vielleicht nicht besser ist, aber ehrlicher und schöner.

 

Was lernen wir aus diesem Mist?

Dass reales Angeln schöner ist.

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Unterwegs mit dem Berufsfischer

…Ja genau! Ich war mit dem Berufsfischer unterwegs!! Der Zufall hat es gewollt…und ich habe spontan den Finger erhoben, als die Frage kam ob ich mal mit aufs Wasser raus möchte.

Nun war es also soweit. Um 4 Uhr nachts klingelt mein Wecker- dabei war ich zuvor, vor Aufregung schon zweimal wach geworden. Um 5.30 Uhr fahre ich durch einen verlassenen Wald am Rheinufer in der Nähe vom Kernkraftwerk Phillipsburg.

Der Fischer hat schon alles vorbereitet. Warm angezogen bin ich schonmal!!2 Pullis, 3 Jacken, eine Mütze, 2 Hosen, gefütterte Gummistiefel und beheizbare Handschuhe! Das Michelinmännchen wirkt wie eine Gazelle neben mir.

Skeptisch werde ich begutäugt: „Hm…. Also du brauchst noch dicke Gummihandschuhe…und dann noch…und außerdem…..“

Nach 5 Minuten stecke ich zusätzlich (!) noch in einer dicken Gummihose, einem dicken Gummianorak und langen, blauen, dicken Gummihandschuhen.

Dann geht es los!!

Aufgeregt male ich mir im Kopf aus, wie der Fischer gleich 20-30 Meterzander mit dem ersten Stellnetz herauszieht.

Meine Aufgabe am heutigen Tag: Die Netze mit losbinden und rausziehen und Weißfische abschlagen! Der Bewegungsradius von einem Meter passt perfekt zu meinem  5-lagigen Outfit mit dem ich auch im Winter Canadas der Kälte getrotzt hätte.

Aufgabe der Fischers: Weißfische rausholen!! Eine Kundin hat hunderte Kilos an Weißfischen bestellt!

Der erste Einzug : 1 Zander!

Das zweite Netz : Schneider. Kommt mir irgendwie vom Ufernageln her bekannt vor!

Netz Nummer vier bleibt am Boden hängen. Eine gute viertel Stunde sind wir beschäftigt das Netz zu lösen….am Ende reißt es. Frust! Immerhin sind die Netze teuer. Kommt mir irgendwie auch bekannt vor!

Plötzlich hängt ein silbriger Fisch im Netz. Größe und Farbe…. Ich bin mir sicher: Ein Barsch! Fast 40-50 cm hat der Gute! Doch dann werde ich im Licht der Stirnlampe eines Besseren belehrt: Ein Monster-Rotauge!

Nach 3 Stunden sehe ich Brassen, Güstern, Nasen… doch der Weißfischkübel ist nicht einmal zu ¼ voll!

Dafür fangen wir Zander! Der Berufsfischer wundert sich….Warum ausgerechnet dann wenn man Weißfische braucht?! Ein Satz der mir irgendwie bekannt vorkommt.

Dummerweise beißt bei mir kein Zander wenn ich Weißfische angeln will….

Die Fahrt geht weiter. Permanent werden die Netze von Ästen befreit. Das Astproblem- kenne ich auch irgendwoher.

Wir fahren zum letzten Netz! Die letzten Netze fingen eher wenig.

Immerhin sehe ich keinen einzigen Kormoran…vielleicht hätte der gewusst wo die Weißfische sind?!

Als wir das Netz hochziehen, zappelt ein Traum von Zander darin. Schüttelt sich…..und upps…weg war er! Verdammt- kenne ich doch auch irgendwoher!

Der kapitale Barsch der als nächstes zum Vorschein kommt, macht es dem Zander nach!

Verflixt! Binnen Sekunden wird eine Illusion von mir zerstört: Der Berufsfischer hat gerade 2 kapitale Fische verloren! Und das Tragische daran- der muss von den Fischen leben.

Auf dem letzten Meter, dann doch ein Happy End!

„Ein Hecht??? Ich glaube da ist ein Hecht dran!“, ertönt es von rechts als wir die Netze hochziehen.

Doch dann werden wir eines Besseren belehrt!  Ein Meter-Wels!! Es ist das erste Mal dass ich einen lebenden Wels sehe!

Voller Euphorie starte ich um 9 Uhr in meinen Arbeitstag!

Ich sehe auch ohne Gummianzug immer noch aus wie das Michelinmännchen, bin müde, rieche nach Fisch und bin überall ein wenig nass und dreckig. Aber das lächle ich heute alles weg….weil es einfach schön war.

 

Und was lernen wir aus diesem Mist?

Dass  Fische fangen auch für den Berufsfischer nicht einfach ist.

Auch wenn der Job nicht jedem gefällt,

hat man als Berufsfische vielleicht den schönsten Job der Welt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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[:de]Doch dann…[:]

[:de]

1,2,3… Ruten hat der Angler am Rheinufer aufgebaut! Wahnsinn! Still beobachte ich ihn 15 min. Doch auch dann erscheint leider trotzdem -nicht wie erwartet- ein zweiter Angler (der gerade mal für kleine Jungs um die Ecke musste).

Drei Ruten! Soll ich? Traue ich mich? So ganz allein?

Während ich so grüble, blickt der Angler vorsichtig nach rechts. Er sieht wie ich seine vier Ruten mustere. Völlig unbeeindruckt fischt er weiter!

Der denkt jetzt bestimmt- die kleine Frau könne ihm nichts anhaben, überlege ich. Langsam kocht die Wut in mir hoch.

Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und nähere mich ihm langsam auf 20 Meter Entfernung.

„Sie wissen, dass man hier nur mit zwei und nicht mit drei Ruten angeln darf, oder?“

„Das sind nicht drei, das sind vier Ruten!“ entgegnet mir der Angler und zeigt auf eine vierte Rute die ich übersehen hatte.

Verdammt!! Jetzt musst du auch noch einen auf Kontrolleur machen, denke ich so vor mich hin!

Verflixt und zugenäht!!!Soll ich ihm jetzt den Fischereiberechtigungsschein abnehmen? Was wenn er mir den nicht gibt? Soll man sich als Frau in einer verlassenen Gegend wirklich mit einem 2 –Meter-Kerl mit einem Messer in der Hosentasche anlegen? Langsam aber sicher rutscht mir das Herz in die Hose.

 

Doch dann……

 

Springt eine Frau, völlig genervt aus dem parkenden Auto: „Was gibt´s? Das sind meine Ruten!!!!Ich habe einen Angelschein.“

Völlig überlegen nickt mir der Angler zu. Fast so als wäre er stolz darauf, dass seine Frau –im Auto eingesperrt den Samstag verbringen muss, damit er mit vier Ruten angeln kann.

Und ich ziehe – mal wieder Schneider- von Dannen.

Am nächsten Tag  die nächste Herausforderung. In der Hoffnung auf einen kleinen Barsch, ziehe ich einen Gummifisch mit Stingerhaken durchs Wasser. Bämmm!! Ein Fisch schlägt in meine Rute ein. Als ich den Fisch an Land drille ist es ein untermaßiger Hecht! Im Wasser öffne ich sein Maul.  Na prima! Der Stingerhaken quasi inhaliert.

Das Vorfach nah am Drilling abschneiden und freilassen? Den Fisch töten weil er nicht überlebensfähig ist und dem Wasser „zurückgeben“? Am liebsten hätte ich mich komplett vom Wasser weggewünscht.

Sinnlos einen Fisch zu töten? Eine Horrorvorstellung.

„Brauchst du Hilfe?“, fragt der Angler rechts neben mir und eilt herbei.

Super!, dachte ich mir. Jetzt hast du auch noch einen Zuschauer!

Doch dann….

als ich das Hechtmaul öffne und er den Drilling im Schlund erblickt, nimmt er wortlos eine Mappe mit Instrumenten. Ich bin HNO-Arzt! Er klappt sie auf, zieht in Sekunden eine spezielle Zange…und binnen 2 Sekunden zieht er ohne den Fisch dabei im Rachenraum zu verletzen den Drilling aus dem  Maul heraus. Quietschfidel schwimmt der Hecht von davon.

 

Am nächsten Tag, sind es nun genau 4 Wochen her, dass ich nicht gefangen habe. Selbst sonst erfolgreiche Angler teilen mir ihren Frust mit! Und der erfolgreichste von allen postet mir schließlich auch noch einen gekauften Lachs am Stück von der Fischtheke.

Es geht nichts! Nirgends! Das Wasser ist zu hoch…zu schwankend…zu tief….zu trüb. Was auch immer!

Und dann habe ich bei Camo Tackle auch noch die falsche Farbe an Gummiködern bestellt! Lila statt Natur!  Als ich Abends von meinem Mann angelfrei bekomme, beschließe ich dem lila Köder immerhin eine kleine Chance am Rhein zu geben. Ohne Drilling diesmal!

Die einzige Aktivität auf dem Wasser kommt von den Kormoranen und den vorbeifahrenden Schiffen!

Letzter Auswurf.

 

Doch dann….

 

….. zerrt es wild an meiner Rute. Heidenblitz!!! Einen Moment lang, denke ich an einen kleinen Rapfen. Doch was ich am Ufer erblicke ist ein stattlicher Barsch!

„Geht nix“- gibt´s doch nicht.

 

 

Und was lernen wir aus diesem Mist?

Dass man beim Angeln immer wieder Überraschungen ausgeliefert ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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[:de]Helmut-der König vom Forellensee[:]

[:de]

Vor 2 Wochen waren die Vereinsvorstände und Ehrenräte in meinem Verein gemeinsam in Frankreich an einem Forellensee fischen. Selbstverständlich war ich auch dabei….immerhin habe ich schon längere Zeit keinen Fisch mehr gesehen 😉

Das Einzige was erlaubt war, war das Angeln mit einer Pose. Und mit Posenangeln kenne ich mich nun mal leider gar nicht aus.

Gegen 10 Uhr begannen wir zeitgleich zu angeln. Mühsam wurstelte ich meine Bleie und eine Stopperperle auf die Schnur und hängte ein paar Bienenmaden dran.

Nach nicht einmal 3 Minuten zappelte die erste Forelle bei Helmut, einem der Ehrenräte, an der Leine. Als ich nach meiner Pose schaue…. ist sie weg.

Anhieb! Nichts passiert…..Wieder taucht die Pose unter. Anhieb!……wieder Fehlalarm! „Du hast zu viel Blei drauf!“ , meinte Harry neben mir.

Als ich die Pose rausnehme und etwas Blei runtermache, verwurstelt sich die komplette Montage!

Bei Helmut beißt gegenüber derweil Forelle Nummer 2.  Wieder montiere ich alles neu- diesmal mit Regenwurm. Als ich die Rute einwerfe, beißt Forelle Nummer 3……. Selbstverständlich bei Helmut!

Nach einer Stunde schaue ich frustriert meinem Nachbar über die Schulter der immerhin schon eine Forelle im Eimer hat und mir den Tipp gibt, Forellenteig ranzumachen. Nächster Einwurf….nichts geschieht…..Und Helmut……der drillt am andern Ufer im Akkord die Fische heraus!

Nachdenklich frage ich meine Nebenangler wie es sein kann, dass ein Angler in nächster Entfernung 15x so viele Forellen in der selben Zeit angelt. Beantworten kann es mir keiner.

Beim Fliegenfischen hatte ich so ein Desaster am Forellensee schon erlebt, aber beim Posenangeln ist die Wurftechnik schließlich nicht so wichtig- dachte ich zumindest!

Gedankenversunken blicke ich zu Helmut hinüber, in der Hoffnung irgendetwas zu entdecken was der Grund dafür sein könnte, dass die Forellen sich im Minutentakt auf seinen Köder stürzen. „Sandra, deine Pose ist gerade abgetaucht!“, ruft plötzlich mein Angelnachbar. Schnell setze ich einen Anhieb. Yeahhh- die erste Forelle war gelandet. Danach tut sich eine weitere Stunde nichts. Helmut drillt gegenüber derweil seine 20. Forelle.

Irgendwas mache ich falsch! Spontan übergebe ich meinem Angelnachbar die Rute und laufe geradewegs zu Helmut hinüber, der gerade Forelle Nummer 23 drillt und schon von 300 Meter Entfernung aus ahnte warum ich ohne Angel an seinen Platz komme.

„ …und da machst du den Forellenteig drauf!…nicht so…sondern so…. Maximal 30 cm tief…Und mit dieser Pilotkugel….und dann die Pose….und…“, lies ich mir die Geheim-Montage erklären. Verstanden hatte ich sie nicht.

„Komm´ nimm einfach meine Montage, damit du auch was fängst!“, meint er und drückt mir eine fertige Montage mit >vom Meister persönlich geformten Forellenteig< in die Hand.

Großkotzig laufe ich an den anderen Anglern vorbei, zurück an meinen Platz!

„Ha!!“, denke ich, zurück auf meinem Platz. „Jetzt mache ich den Eimer voll!“

Einwurf!…Wieder Einwurf….Erneuter Einwurf. Nichts tut sich. Während Helmut Nummer 30 drillt, stehe ich noch immer erfolglos auf dem Platz- trotz Profi-Montage.

Nach dem Mittagessen dürfen die Plätze gewechselt werden. Ab sofort sind auch Spinner erlaubt.

Entweder war es der Platz, oder meine Zupftechnik …An der Montage und dem Köder konnte es definitiv nicht mehr liegen.

Verzweifelt beschliesse ich somit alles zu wechseln: Köder, Rute und Platz und leiste Helmut Gesellschaft.

Dritter Einwurf mit dem Spinner und Bämm! Da hing sie. Nummer Drei! Nach 10 min. hing  Nummer 4. Am Ende ging ich mit stolzen 8 Forellen (Helmut hatte über 40!) nach Hause, die ich jeweils nur dann mit dem Spinner gefangen habe, wenn Helmut gerade keine Rute im Wasser hatte, weil er einen Fisch gelandet hat!

 

Was lernen wir aus diesem Mist?

Dass du da wo Helmut angelt, keine Hoffnung auf  Forellen ist.[:]

[:de]Seeputzete Nord oder „Das Drama um den Fußball im Pfinzentlastungskanal“[:]

[:de]Am Samstag war die letzte Seeputzaktion im Anglerverein Karlsruhe. Ich schnappte meine Tochter, einen Müllsack, eine Greifzange und dann ging es mit andern Anglern los zum Müllsammeln am Pfinzentlastungskanal.

Nach dem ersten Kilometer ging es los:

„Mama, ich habe Durst“

Nach zwei Kilometer:

„Mama, ich habe Hunger“

Nach drei Kilometer:

„Mama, ich mag nicht mehr laufen“

Na gut, dachte ich mir und trug die Kleine auf dem Rücken Huckepack in Richtung Treffpunkt zurück.

„Mamaaaaa! Da liegt ein Fußball!“, schrie es mir plötzlich ins Ohr.

Tatsächlich! Auf einem Haufen angeschwemmtem Holz lag ein angeschwemmter Fußball. Und der war tatsächlich noch halbwegs intakt!

Sofort war meiner Tochter klar, dass Mama den Fußball für sie holen muss, damit sie diesen ihrem lieben Bruder  mitbringen kann.

 

„Mama, bittteee!“

 

Na großartig. Waghalsig kletterte ich auf den Haufen angehäufter Äste. Ein Schritt…Test….Hält! 2. Schritt….vorsichtiger Test….Hält auch!…… Irgendwann kam ich beim Fußball an.

„ Juhu“, rief es vom Ufer aus!“ Du bist die beste Mama der Welt“.

Das ging runter wie Öl…. Und mein linkes Bein rutschte plötzlich –auch wie Öl- zwischen den Ästen durch. Platsch! Wasser lief von oben in die wasserdichten Schuhe hinein.

Um mich mit zwei Händen wieder hochzuziehen, werfe ich den Fußball ans Ufer….

…knapp 20 cm daneben. Der Fußball treibt ab in die Mitte des Kanals.

„Mamaaaaa! Der Fußball schwimmt weg!“ , höre ich sie schreien.

„ Ich glaube“, meinte ich als ich mich wieder auf festem Boden befinde,“der ist jetzt weg!“

„Neinnn!!! Mama!!! Schau mal…. Er liegt am andern Ufer!!! Schnell“, schrie meine Tochter.

Ich schüttelte den Kopf. Sollte ich etwa den Pfinzentlastungskanal balncierend auf Steinen überqueren wegen einem Fußball?

„ Mama! Du schaffst das! Ich weiß das! Du schaffst alles!“, ertönte es. Kein Helfer weit und breit den ich hätte um Hilfe fragen können.

Verdammt! Konnte ich sie jetzt wirklich enttäuschen?

Nein! Nein!!! Mutig trat ich mit meinen wassergefüllten Schuhen über die Steine, auf einen Ast, wieder auf einen Stein. In weiser Voraussicht teste ich sehr vorsichtig die Trittfestigkeit des Ufers….Ging grad noch so!  Mit einem langen Ast zog ich den Fußball an Land. Bingo!!!

„ Jeahhhhh!“ schrie es von der andern Uferseite. Freudig hüpfte meine Kleine in die Luft, und ich wieder zurück von Stein zu Stein.

Auf dem vorletzten Stein blieb ich stehen, hob den Fußball über meinen Kopf und rief:

„Ich bin der Held der Seeputzete!!!“. Meine Tochter lachte und klatschte. Und ich…. Ich rutschte aus und der Fuß landete erst im Wasser, dann im Schlamm! Beim Versuch mich am Stein hochzuziehen floss das Dreckwasser in den andern Schuh.

„ Ooooh!“, meinte sie.

„ Schei…..benkleister!“, meinte ich.

Dann gingen wir zurück. Ich in nassen Hosen und Schuhen und sie trug stolz den Fußball.

Am Auto angekommen hatte ich schon leicht blaue Lippen. Ich beschloss nach Hause zu fahren.

„Aber…. Es gibt doch gleich Grillwürsten, Mama!“, meinte sie.

„Ja! In einer halben Stunde erst. Und Mamas haben nun mal keine Ersatzkleidung dabei“, antwortete ich.

Nee, der Held der Seeputzete war jetzt doch ein Weichei und fuhr nach Hause.

 

Was lernen wir aus diesem Mist?

Dass Übermut nicht immer die beste Lösung ist.

 

 

 

 

 

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[:de]Japanwobbler vs. Gummifisch[:]

[:de] 3 Stunden lang stand ich letztes Wochenende am Rheinhafen….keine Attacke, kein Rauben an der Oberfläche.
Herrliches Wetter….Die Sonne schien und ich durfte endlich mal wieder angeln gehen.
Perfekter Wasserstand, perfekte Jahreszeit, perfektes Wetter- und wie so oft- nichts beißt!
Zuletzt packe ich noch meine teuersten Illex-und TWP-Köder (ca. 20 Euro/Stück) aus. Doch auch die können keinen Fisch überlisten.
Frustriert gehe ich in Richtung Auto zurück.
„Was ist los? Nix gefangen? Du schon lange da…und nix gefangen?“, spricht mich ein russischer Angler von der Seite an.
Peinlich berührt schüttle ich den Kopf.
„Du hast falsche Köder! Du schauen: Hier!!!“, meint der Angler und öffnet die Pandorrabüchse aus seiner Tasche.
Geflasht von den noch aufklebenden Preisschildern blicke ich schockiert in die Köderbox!
„Japanwobbler…..27,99 Euro….29,50 Euro, 39,99 Euro!!!“
Die inneren Werte, sind es die zählen…
Der Angler holt einen Köder aus der „Ü-30- Schachtel“….“Da!!! Du damit angeln!! Dann ich garantiere- du fangen eine Fisch!“
Eines musste ich dem Angler zu Gute halten- Es war immerhin der allererste Angler der mir bei der ersten Begegnung nicht von seinen Fängen der letzten 10 Jahre erzählte, sondern mir seinen Luxus-Köder anvertraute.
Da stand ich nun also…..mit einem 29,50 Euro-Köder! Ratlos überlegte ich was ich tun sollte…..Bei meinem Glück bleibe ich mit dem Köder an der nächsten Steinschüttung hängen und dann ….?
„Du werfen!!……Werfen!“, wies er mich an.
Zögerlich machte ich den Köder an meine Rute… Jetzt nur nicht an irgendeinem Ast oder Stein damit hängen bleiben!
Zweiter, dritter Auswurf……Nach 10 min. beißt noch immer nichts.
„Komisch…! Normalerweise Fische beißen!!!“, empört sich der Angler.
Dankend gebe ich ihm seinen Luxus-Wobbler zurück.
„Haben Sie eigentlich etwas gefangen….. heute?“, frage ich neugierig.
„5 Stück….aber zwei waren mir zu groß!“, meinte er beiläufig.
Ähhhhh??! Was???
Bevor meine Kinnlade auf dem Deckel seiner Köderbox landet, erinnere ich mich an die vielen Angler die ich am Wasser getroffen habe, mit ihren angeblichen Superfängen die nie einer zu Gesicht bekommen hat, außer sie selbst.
„Darf ich sie mal sehen?“, fragte ich vorsichtig nach.
Der Angler öffnet den Rucksack, tatsächlich: darin drei stattliche Rapfen.
„Du schaue…3 Rapfen…aber nur 60 cm. Die Großen sind schlecht zu räuchern…!“, meint er.
Sprachlos blicke ich in die Tüte.
„Weißt du…wenn ich komme angefahren….ich will Fische fangen. Nix schneidern wie du!“, ergänzte er.
Das saß!
„ …ich komme von weit weg angefahren! Ohne Fisch ich will nicht nach Hause fahren!“
Zögerlich hakte ich nach dem Wohnort nach.
„Remchingen- das ist Nachbarort Pfinztal! Weit weg- kennst du bestimmt nicht“, entgegnete er.
Ich beschloss über meinen Wohnort in direkter Nachbarschaft zu schweigen und mir auf dem Nach-Hause-Weg den Japanwobbler für 30 Euro zu bestellen. Freitags kam er mit der Post an.

1 Stunde lang werfe ich das teure Teil in die Fluten des Rheins….mal langsam…mal schnell….mal im walk-the-dog-Stil……nichts passiert. Ständig habe ich Angst den Wobbler zu versenken. Plötzlich ein Widerstand! Verdammt…der Köder hängt an einem Ast! Schweißgebadet versuche ich den Wobbler zu lösen….erst vorsichtig, dann mit Gewalt.
Der Wobbler löst sich und fliegt in Höchstgeschwindigkeit in Richtung meines Kopfes zu. Reflexartig drehe ich mich um- da hakt mich der Wobbler an Haaren und Jacke…..Beim Lösen hat die Jacke ein Loch und mein Nacken freut sich über eine langen und fetten Kratzer.
Kurz: Ich werfe den 30-Euro-Köder in die Box, montiere einen normalsterblichen Gummifisch auf einen Jigkopf und mache meinen letzten Auswurf.
Bämm!!!! Da hing er ! Ein Traumbarsch…..an einem 50 Cent-Köder! Und der Japanwobbler schaute dumm aus der Box.

Was lernen wir aus diesem Mist?
Dass ein teurer Köder keine Fanggarantie ist.

[:]

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