Mein erster Meterfisch

Sonntag-Morgen, 10 Uhr. Der Wetterbericht sagt 30 Grad Celcius voraus. Meine Familie und meine Schwiegereltern die zu Besuch sind, beschließen ins Rheinstrandbad nach Rappenwörth zu gehen.

„Dann kannst du angeln gehen…“, meint mein Mann der mich mittlerweile gut genug kennt, dass er weiß- das ist besser so! 😉

An das Rheinstrandbad grenzt nämlich, wie der Name schon sagt….der Rhein.

Das einzige Problem an der Sache. Der Wasserstand ist aktuell dort so niedrig, dass man dort selten etwas fängt und vor allem nicht mittags bei 30 Grad Celcius.

Meine Familie positionierte sich am andern Ende, des Bades, ca. 1 Kilometer entfernt von meinem Angelplatz.

Die Sonne brennt!

Wie die Ölsardinen liegen die Besucher auf der großen Wiese zum Rhein hin. „Schaulaufen an der Uferpromenade“ sagte eine Freundin mal zu mir. Die Männer liegen auf den Liegestühlen und begutachten die Frauen die sich gerne im Bikini mit echtem und unechtem Inhalt grazil über den Asphalt bewegen. Zwischendrin: Ich…mit Angelrute und Kescher und werde begutachtet wie „ein Fehler im Bild“. An einer Promenade wo sich 5 Frauen oben ohne sonnen fühle ich mich unbeobachtet.

Rapfen gehen immer, denke ich so bei mir. Als ich einen Oberflächenwobbler durchs Wasser ziehe überlege ich mir was ich bis 16 Uhr mit einem Rapfen machen soll, falls einer beißt. Als ich das zweite Mal auswerfe, stelle ich mir vor, wie ich den Rapfen – der nicht in mein Rucksack passt- an tausenden von Menschen vorbeitragen muss. Oh Gott!!! Allein bei dem Gedanken daran läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.

Barsch!! Ich angle auf Barsch, beschließe ich kurzerhand. Mein letzter Barsch hatte einen 5 cm langen Fisch im Magen- ich rüstete also um auf Gummifisch.

Und falls ein Zander beißt? überlege ich.

Einwurf in die Mitte des Rheinstromes! Plötzlich spüre ich einen Stein am Untergund. Ein Hänger? Genervt ziehe ich die Rute nach oben. Ein Ruck!

Ein Barsch? Souverän kurble ich ein! Verflixt! Da hängt was größeres dran! Ein Meterzander?Ein Hecht? Als ich den Fisch in Ufernähe drille, dreht sich plötzlich meine Rolle.

Sssssssssssuuuuuu……………….SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS……………Verdammt! Die Rolle war doch fast zu!!!…………..Meine Schnur geht langsam zu Ende! Pumpen!!! Du musst pumpen, Sandra, sage ich mir immer wieder! Mühsam ist der Fisch nun nur noch 10 Meter vom Ufer entfernt. Während ich die Rolle einkurbelte, zieht der Fisch erneut ab! Das muss ein großer Hecht sein!

Eine Barbe??? Ich hatte keinen blassen Schimmer was da gerade geschah. Hinter mir setzen sich die Frauen aufrecht hin und nehmen die Sonnenbrillen vom Gesicht. Eine Geräuschkulisse von ca. 50 Menschen prägt nun das bislang entspannte Ambiente am Rhein.

Verdammt! Immer wenn man einen Helfer braucht, war keiner da! Was mache ich wenn der Hecht nicht in Kescher passt? Ich sehe mich schon mit einer blutüberströmten Hand von einer möglichen Handlandung. Hinter dir steht eine Menschentraube, die wird dir nun zusehen wie du einen Hecht landest und einen Fisch tötest…und wenn du es nicht machst…machst du dich strafbar.

Die ersten Zuschauer packen ihr Handy aus…..die andern stehen mit offenem Mund am Rheinufer.

Irgendjemand erzählt was von einer kleinen Frau die einen großen Fisch an der Angel hat.

Vermutlich sehen die Sonnenanbeter vom Ufer aus mehr als ich von unten im Wasser stehend.

Panik! Meine 40 g Spinnrute biegt sich im 90 Grad -Winkel. Eine Stimme sagt mir, dass die Schnur am Limit ist. Die Rute auch. Der Fisch ist noch 2 Meter vom Ufer weg, zieht wieder ab. Die Prozedur wiederholt sich. Ein bisschen fühlt es sich an wie bei der Geburt eines Kindes. Eigentlich kannst du nicht mehr, aber musst weitermachen. Den Fisch holt keiner für dich aus dem Wasser!, sage ich mir immer wieder. Der Schweiß steht mir auf der Stirn! Wieder ist der Fisch in Ufernähe. Jetzt ist er am Ende – und ich bin es auch! Zitternd lauf ich über die Steinböschung und verliere dabei meine Badeschuhe. Ausgerechnet heute hatte ich zum ersten Mal keine Gumistiefel an! Barfuss stehe ich im Rhein und blicke einem Wels mit 1,30 Meter in die Augen. Nichts für den Kescher! Hinter steht eine Menschentraube:

„ Oh Gott!!! Solche Fische schwimmen da rum?“

„Das ist ein Wels!“

„Ihhhh….macht die den jetzt tot? Lass uns weggehen!“

„ Ja, ja…..natürlich kann man den essen! Den darf die Frau gar nicht freilassen!“

Die Hoffnung dass die Zuschauer blitzartig verwinden, wird zerschlagen als noch einige das Handy auspacken. Der Wels muss wohl dran glauben! Mit der Hand ziehe ich völlig entkräftet den Fisch barfuss ans Ufer und mache kurzen Prozess mit ihm.

Dann lässt das Adrenalin nach und ich sacke an der Böschung zusammen. Tief durchatmen.

Da liegt er… mein erster Meterfisch um 11.30 Uhr im Rheinstrandbad. Aufgeregt rufe ich meinen Mann an und meine Schwiegereltern….wieder und wieder! Das Handy liegt im Schließfach und die Familie planscht irgendwo im Wasser, keiner kann helfen!

Der Fisch wiegt gut 20 kg. Vor mir liegt nun ein 1 Kilometer-Fußmarsch zum Auto durch eine Menschenmenge von hunderten von Badbesuchern! Und mein Mann der regelmäßig Gewichte hebt – ist nicht erreichbar!

Nach einer halben Stunde am Rheinufer, muss der Wels weg- egal wie!Augen zu uns durch!

Ich schnappe den 20 kg Fisch, den 5 kg Rucksack, meinen Kescher und meine Rute und schleppe mich und den Fisch die Böschung hoch. Ich bin fix und alle! Einen Kilometer lang die Hälfte deines Körpergewichts zu tragen ist kein Zuckerschlecken

…….vor allem nicht wenn man als Frau bauchabwärts mit blutbesudelt ist, einen Monsterfisch in der Hand hält der nur 30 cm kleiner ist als man selbst und auf der Schaupromenade zwischen den Bikinischönheiten von Karlsruhes größtem Freibad läuft!

Ein Königreich dafür jetzt auf der Voyager zu sein und alles in einem Satz zu lösen: „Beam me up, Scotty!“. Vorsichtig schaue ich nach links und rechts….Werde ich jetzt gleich beschimpft? Bejubelt? Ob mir vielleicht ein starker Mann seine Hilfe anbieten würde?

Nichts passiert!! Die Leute blicken abwechselnd mich und den Wels an….dann wieder mich. Es wird minutenlang ruhig im Rheinstrandbad.

Der Schweiß läuft mir die Stirn herunter. Die Sonne brennt. Ich kann nicht mehr….! Da musst du durch, sag ich mir. Keiner trägt dir hier und heute diesen Fisch zum Auto!

Die letzten 300 Meter vom Ausgang zum Auto sind die Hölle, danach will ich nur noch in die Wanne und ins Bett. Es ist 13 Uhr.

Was lernen wir aus diesem Mist?

Angle nie da wo viel Betrieb ist…. ( egal mit welchem Köder)

Untergrund-Fische

Es ist immer wieder erstaunlich, aus welchen Ecken manchmal Fisch auftauchen! Diese Woche ging ich kurz vor der Arbeit eine Stunde an den Rhein. Als ich auf dem Hinweg an einem Altrheinarm vorbeilief schaute ich nicht schlecht… Das Wasser hatte eine maximale Tiefe von 15-20 cm! An manchen Stellen schauten sogar Kiesberge heraus!

Die Kormorane saßen auf den umliegenden Bäume und blickten gierig auf die wenigen Brutfische die sich noch zwischen den Steinen tümmelten.

Jeder Angler hätte mich vermutlich für bekloppt gehalten, hier einen Spinner durchzuziehen. Warum auch immer. Einmal reinwerfen musste einfach sein!

Der Spinner kommt auf der Wasseroberfläche auf und sinkt in einer Sekunde auf den Kiesgrund. Eine Kurbelumdrehung später… Bämm!!

Ehe ich realisiert habe, dass gerade ein Fisch gebissen hat, liegt ein 28er Barsch in meinem Kescher!

Woher der plötzlich kam? Keine Ahnung! Ich freute mich wie der Schneekönig!

Ist der erste Fisch ein Barsch, ist der ganze Tag am……

Nach einer erfolglosen Stunde, fuhr ich zur Arbeit!

Am Abend wagte ich erneut einen Versuch an einem Forellengewässer.

Erfolglos! Nach einer Stunde- kurz vor Beginn der Dämmerung, werfe ich eine Fliege in einen strömungsarmenAbschnitt ein! Nichts passiert. Das Wasser ist klar und knietief. Nirgends eine Forelle in Sicht. Zweiter, dritter, vierter Einwurf….plötzlich schellt ein rotgepunkteter Rücken aus der Tiefe hervor uns attackiert meinen Köder!

Adrenalin pur. Wieder werfe ich ein. Die Forelle schwimmt als dunkler Schatten im Wasser erneut der Fliege hinterher. Mein Herz pocht! Was für ein Riesenfisch!!!

Einen Meter vor meinen Füßen dreht sie blitzartig um. Weg ist sie.

Die folgenden 10 Minuten scheint sie wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Ob sie mich gesehen hat? Sollte ich besser morgen wiederkommen?

Ein letztes Mal werfe ich die Fliege aus. Als sie die Wasserfläche erreicht…Bämmm!!! Meine Fliegenrute wird auf einen Schlag nach unten gezogen! Verdammt!!! Sie hängt!!! Am Schonhaken! Nur nichts versemmeln – sage ich mir immer wieder!Als sie im Kescher liegt, zittern meine Hände.

Ein Ü40-Brummer von Bachforelle hat sich meien Superfliege geschnappt!!!

Woher sie auch immer kam und sich über die Jahre versteckt hatte- keine Ahnung.

Was lernen wir aus dem Mist?

Unterschätze die Versteckmöglichkeiten von Fischen nicht.

Unterwegs mit der Superfliege

Die vergangenen Wochen war ich zu dem Fest eines Anglervereines eingeladen. Im Laufe des Abends unterhielt ich mich mit einigen Anglern über Vertikalangeln, Wallerangeln und diverse Gewässer.

„Du fischst auch mit der Fliege?“, fragte mich ein älterer Herr, der den Gesprächen bislang eher stillschweigend lauschte.

„ Ja“, meinte ich, „nur eben nicht so erfolgreich!“

Der Angler empfahl mir für mein Hausgewässer eine Fliege mit einem Namen, den ich im Leben noch nicht gehört hatte.

„…Also diese Fliege ist aus Hasenfell…und wenn du die bindest, dann fixierst du den Haken lose an der Öse…. Eine Intruderfliege quasi….und hier das Harz…..und..die Hechel kurz…da lang.“

Für einen Moment schaue ich wie ein Auto. Das war dann doch zu viel Binde-Information für eine Anfängerin wie mich.

Es folgte ein kurzes „Warte mal!“. Eine viertel Stunde später überreichte mir der Angler eine schwarze Plastikbox gefüllt mit ca. 10 selbstgebundenen Fliegen!

„Die hier sind fängig!“kommentierte er die wertvolle Dose und unterstrich das Ganze mit einem selbstsicherm Augenzwinkern.

Vorsichtig bestaunte ich den wertvollen Inhalt!

Zum ersten Mal im Leben bekam ich Einblick in die besten Fliegenmuster eines erfahrenen und erfolgreichen Fliegenbinders, der schon erfolgreich jedes (!) meiner Hausgewässer mit Fliege beangelt hat.

„Die schenke ich dir!“, meinte er.

Völlig überwältigt saß ich auf der Heimfahrt im Auto, während mein Mann mal wieder nur den Kopf scchüttelte warum ich mich über diese Fliegen freue, wo ich doch noch 50 andere zu Hause hätte. Ja!Andere schon! Aber keine selbstgebundenen Profifliegen!!!

Am nächsten Tag, machte ich mich sofort auf an ein Hausgewässer von mir! Sorgsam montierte ich eine der vielen Fliegen. Vorsichtig! Dreimal überpüfte ich das Vorfach und den Knoten!

Ein kurzes Gebet, dass die Fliege die ich mir raussuchte nicht am Baum hängen bleibt…..dann kam der erste Einwurf.

Tatsächlich ein Nachläufer!

Erneuter Auswurf. Eine Attacke!

Völlig geplättet stehe ich mit den Wathosen im Fluss und bestaune wie sich die Fische nacheinander auf die Superfliege stürzen! Faszinierend und etwas berauscht beobachte ich wie sich die Forellen aus dem nichts hoch an die Oberfläche katapultieren um den kleinen Köder zu attackieren. Doch keine der Forellen bleibt an dem Schonhaken hängen.

Nach einer Stunde beschließe ich die Stelle zu wechseln.

An einem strömungsreicheren Abschnitt werfe ich die Fliege erneut aus. Die Fliege kommt auf, sinkt wenige Millimeter unter die Wasseroberfläche und….

pötzlich zieht es ruckartig meine Rutenspitze nach unten! Fisch!!!!

Aufgeregt halte ich die Schnur unter Spannung, wohlwissend dass hier gerade ein kleiner Brocken von Forelle dranhängt.

Da lag sie! 42 cm…die Fliege perfekt in der Backe…und….in meinem Kescher!!!

Erneut werfe ich die jetzt etwas mitgenommene Superfliege aus!

Bämm!!! Nurmmer zwei hängt!

Wahnsinn. Wieder knallt eine Ü40er Forelle auf meinen Köder und landet in meinem Kescher.

Danach breche ich ab.

Geplättet. Beeindruckt und glücklich.

Keine untermaßigen Fische, keine aufwendiges rausoperieren des Hakens, kein Köder verloren und ein Drill von der Intensität eines Rapfens an der Spinnrute.

Als ich auf die beiden Forellen blicke, fühle ich mich zum ersten Mal in meinem Anglerinnenleben mehr als Fliegen- denn als Spinnfischer(in).

Und das alles nur wegen der Superfliege….

Was lernen wir aus diesem Mist?

Dass auf die Fliegen erfahrener Fliegenfischer Verlass ist!

Frank sei Dank

Einer der Angler mit dem ich immer gerne am Wasser war, war Frank.

Frank war 79 Jahre alt und passionierter Angler. Jedes Jahr verbrachte er in Alaska seinen Urlaub beim Lachsfischen. Ansonsten kümmerte er sich ehrenamtlich mit um die Bootsverwaltung im Anglerverein. Mit Frank war ich am Rhein, an den Rheinauen und mehrmals an der Murg. Auch wenn wir zusammen nie einen kapitalen Fisch an Land zogen, waren es oft wunderschöne, entspannte Stunden am Wasser an dich mich sehr gerne zurückerinnere. Kurz nach seinem 80. Geburtstag schenkte mir Frank seine Köderbox. Etwas irritiert blickte ich ihn an. Es waren seine Erfolgsköder aus Alaska. „Da musst du unbedingt mal hin, Sandra!“, waren seine Worte.

Auf die Frage ob er selbst nicht noch einmal nach Alaska wolle, bekam ich keine Antwort. Drei Tage später war Frank tod.

Ein Jahr lang, lag nun Franks Köderbox in meinem Angelschrank bis ich Anfang des Jahres beschloss einen schon etwas angerosteten Blinker mit auf die Piersch zu nehmen.

Gefangen hatte er nichts….auch keinen Lachs 😉

Seitdem lag Franks Blinker in meiner Köderbox, als Glücksbringer.

Als ich heute 2 Stunden Angelzeit hatte, fuhr ich an den Rhein. Zielfisch: Zander und Hecht.

Am Rhein angekommen traf mich der Schlag!

Rechts und links raubte es ohne Ende. Das Wasser kochte quasi auf ca. 100 m² Wasserfläche!

Doch wie sagt ein Holger Kuscher immer: „Rapfen die rauben, beißen nicht!“.

Trotzdem: Oberflächenköder, flachlaufender Wobbler und Popper durchgezogen….Nichts geschah!

Ok, dachte ich….lass dich nicht beeindrucken! Widerwillig montierte ich einen Gummifisch.

Bämm! Batsch! Batsch!!!!

Überall raubten die Rapfen an der Oberfläche!!!

Es war nicht auszuhalten! Konzentriertes Jiggen? Unmöglich!

Ich kam mir beim Zanderfischen vor wie jemand der in der weltbesten Konditorei saß und gezwungen wurde ein Schnitzel zu essen. Zandern zu jagen wenn vor die Rapfen jagen- das geht gar nicht!

Wieder montierte ich den Köder um…Spinner, schlanke Blinker…..kleine Wobbler, große Wobbler…Wobbler mit Propeller!

Die Rapfen liesen alle (!) meine Köder eiskalt!

Rapfen die rauben, beißen eben nicht!

Frustriert ordnete ich nach einer Stunde die Köder in meiner Box. Keinen wollten sie haben. Alle hatte ich durchprobiert! Alle…bis auf Franks Blinker.

Frank hätte in jedem Moment sicherlich meinen Frust mit mir geteilt oder einfach nur gelacht. Ich gönnte Franks Blinker also meinen letzten Auswurf!

Bämm!!!Einschlag. Die Rute kniet zu Boden. Rapfen!!!!! Aufgeregt drille ich den Räuber an Land. Knappe 60 cm.

Naja…wenn es einmal klappt…klappt es auch zweimal, dachte ich. Der nächste Auswurf zwingt die Rute binnen sekunden erneut Richtung Wasser. Noch bevor das Adrenalin des ersten Drills vorüber ist, knallt ein schöner 70er-Rapfen auf Franks Blinker.

Danach muss ich die Heimfahrt antreten!

Glücklich und erfolgreich. Dank Frank.

Was lernen wir aus diesem Mist?

Dass der ein oder andere Rapfen der raubt- manchmal doch noch zum Anbiss zu bewegen ist.

Forelle-mit Hindernissen

„Wie siehst du denn aus???“ Mehr hatte mein Mann nicht zu sagen, als ich wieder vom Angeln zurückkam.

Das Blut lief mir den Unterarm herunter, der auf der Rückseite übersät war mit Kratzspuren.

Dazwischen machten sich riesige Brennnesselpusteln breit! Auch mein Hals trug seine Spuren davon.

„Ihr Angler seid nicht viel anders als Drogenabhängige….Wie kann man nur….“, hörte ich noch, doch in Gedanken ärgerte ich mich mehr darüber, dass ich auch noch geschneidert hatte.

Das einzige was ich getan habe, war mal wieder auf „die Profis“ zu hören. Ich habe getan, was in jedem Angelratgeber zu lesen ist! An stark beangelten Gewässer muss man dort angeln wo keiner angelt.

Und wo ist das? Klar! Da wo keiner hinkommt. Keiner außer ich…. weil ich hunderte Meter mit der Wathose den Bach unter dem Gebüsch durchquere und dort auswerfe, wo sonst keiner auswerfen kann. Mein Tackle: Eine ultrakurze Rute, einen Watkescher und ich – hochmotiviert, dass ich endlich meinen Größenvorteil einsetzen kann.

Langsam klettere ich einen steilen Hang hinab. Einen sehr, sehr, sehr steilen Hang. Es ist die einzige Möglichkeit herunter zum Ufer des Gewässerabschnittes zu kommen.

Die anderen Hänge sind zugewachsen mit Brombeerhecken – rechts und links.

Die letzten 3 Meter rutsche ich ab. Im Bruchteil einer Sekunde muss ich darüber entscheiden, mich zur Seite auf die Rute oder nach hinten fallen zu lassen. Das Ergebnis ist ein blauer Fleck am Steißbein.

Busch für Busch, Baum für Baum schlängle ich mich trotz Schmerzen am Ufer entlang auf der Suche nach einem Spalt zum auswerfen. Doch nach 400 Metern sehe ich keine Steine mehr am Untergrund.

Matsch ohne Kies? Keine gute Kombination. Zumindest weiß ich aus Erfahrung, dass das Versinken im Schlamm gar nicht gut ist! Und hier, zwischen dem Gestrüpp, fernab der Zivilisation, würde mich nicht einmal ein Angler hören, würde ich um Hilfe schreien!

Verflixt! Vorsichtig taste ich mit einem Ast den Boden nach Steinen ab und werde fündig. Nach weiteren 100 Metern, führt mich mein Wat-Weg in die Mitte des mittlerweile gut 4 Meter breiten Gewässers. Endlich kann ich auswerfen. Einwurf….und Bämm!! Ich wusste es! Eine gute 40er Forelle schnappt sich meinen Köder und hakt sich ab! War es die Bremse? Die Rute? Der Haken? Oder ich? Noch bevor ich dazu komme die Ursache zu analysieren, beißt Nummer zwei. Und die bleibt hängen….dummerweise hat sie nur 25 cm. Nummer drei bis fünf müssen ebenfalls noch wachsen. Danach kehrt Ruhe am Wasser ein. Ich muss weiter! Da vorne sehe ich einen potentiellen Hot Spot! In Gedanken fange ich schon die Forelle aller Forellen, die noch nie einen Köder gesehen hat – bis ich komme!

Doch wo war mein Stock?? Mein Wat-Stock hatte sich aus dem Loch im Untergrund gelöst in das ich ihn gesteckt hatte! Und nun schwamm er….flussabwärts. Und ich? Ich stand nun mitten im wilden Wasser und sah weder rechts noch links wohin ich hätte gehen können!

Ein Albtraum! Vorsichtig tastete ich mit dem Griff meiner Angelrute den Boden ab zum naheliegenden Ufer hin. Da stand ich nun – ohne Stock! Und hinter mir? Eine ca. sechs Meter hohe Böschung, davon 2 Meter Brennnesseln und 4 Meter Dornenhecken und Brombeersträucher! Kein Ast, weit und breit.

Die Wahl war einfach: Ertrinken, im Schlamm stecken bleiben oder ab durch die meterhohe Hecke?

Ich mach´s kurz: Es tat weh!

Nachdem die Wunden nach 4 Tagen so gut wie verheilt waren, entschloss ich mich ein zweites Mal den Einstieg zu wagen! Diesmal hatte ich meinen Watstock angebunden und mich mit einem Seil den Hang abgeseilt. Irgendwie hatte das Ganze was von Indiana Jones. Und ich war mir sicher, dass mein „Schatz“ irgendwo dahinten war bei der nicht einsehbaren strömungsreichen Stelle 300 Meter weiter!

Sorgfältig tastete ich mich mit meinem Super-Watstock Schritt für Schritt vor, duckte mich unter den Bäumen durch, hangelte mich zwischen Ästen und Steinen am Ufer entlang, als sich plötzlich in einer Minute, in der ich eine kurze Atempause benötigte, eine größere Forelle rauben sah!

Über mir flog ein Storch mit einem Ast im Schnabel. Die Sonne verwandelte das Wasser in einem Glitzermeer. In diesem Moment wusste ich: „Sandra, du bist im Forellenparadies angekommen!“

Der Köder kommt auf dem Wasser auf – Bämm!!! Wieder eine 20er!

Die nächsten Einwürfe sind erfolglos. Wieder ein Einwurf und ….der Köder hängt am Baum. War klar, dass das irgendwann kommen musste! Immerhin hängt er nur zwei Meter weg von mir! Zügig binde ich meinen Watstock ab und erreiche damit den Ast, an dem der Köder hängt als ich nach vorne kippe, mich wieder fange und gleichzeitig nach meiner Angelrute greife. Mein Watstock schwimmt derweil flussabwärts. Wieder hangle ich mich tastende mit der Rute zum Ufer hinüber. Zu meinem „Hot Spot“ sind es nur noch gute 50 Meter. Ein morscher Ast muss nun herhalten! So morsch, dass er beim ersten Abstützen zusammenbricht und ich längs im Wasser liege.

Das Wasser fließt mir in die Wathose hinein. Mein Klamotten drunter: klitschnass!

Mein rechter Arm aufgeschürft! Jetzt erst Recht!!! dachte ich mir. Jetzt wo ich schon mal nass und (wieder) demoliert war, hangelte ich mich am Ufer wie ein Affe durchs Gebüsch.

Brennnessel hin, Brombeersträucher her….Kurz vorm Ziel umzukehren kam nicht mehr in Frage!

Schließlich kam ich an! Es war, wie ich es mir vorgestellt hatte! Schnell fließende Bereiche, strukturreich, langsam fließende Bereiche.Überhängende Bäume…..Ich war mir sicher – hier war außer mir noch keiner! Nicht einmal der Kormoran! Tiefe Gumpen wechselten sich mit strömungsreichen Steinpackungen ab.

Ein Traum! Einwurf!…Nichts. Nächster Einwurf, wieder nichts. Verzweifelt, nass und blutend stand ich am Ufer! Das konnte jetzt nicht das Ende meiner Expedition sein!

30 Minuten warf ich ununterbrochen meinen Köder ein – ohne einen einzigen Kontakt.

Langsam wurde es Zeit nach Hause zu gehen, es begann zu dämmern…und ich hatte einen langen Rückweg vor mir.

Letzter Auswurf und …Bämm!!! Da war sie… zwar nicht die Mutter aller Forellen aber immerhin ein maßiges Exemplar von 30 cm.

Stolz watete ich nach Hause.

Die Blicke der Autofahrer, als ich mit quietschenden Wathosen am Gehweg entlangwate und einen Wasserspur hinter mir lasse…..die lädierten Arme…..die nassen Haare….Egal! Mein Mut wurde mal ausnahmsweise belohnt.

Diesmal kam ich nicht nur mit Wunden nach Hause, sondern auch noch nass – und vor allem glücklich!

Was lernen wir aus diesem Mist?

Dass eine Riesenforelle auch nicht immer an unbesuchten Orten ist.

Mein erster Geburtstagsfisch

Es ist jedes Jahr dasselbe Dilemma! Ich habe Geburtstag, nehme mir den Tag frei um mich meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Angeln zu widmen…und dann….. komme ich frustriert nach Hause weil ich in 10 Stunden nicht einen Fischkontakt hatte!

Dieses Jahr, beschloss ich daher arbeiten zu gehen! Zudem hatte mein Mann schon angemerkt, dass die Tiefkühltruhe zu voll sei.

Gegen 15 Uhr starrte ich aus dem Fenster meiner Arbeit! Die Sonne strahlte in mein kleines Anglerherz. Das perfekte Angelwetter! Dabei war eigentlich Starkregen angesagt.

Doch wie sooft bleibt der Oberrhein verschont, dachte ich. Schießlich gehört Karlsruhe zu den Städten mit den meisten Sonnenstunden im Jahr! Regnen und schneien tut es fast immer bei den anderen.

Ich beschloss noch einen kurzen Ausflug an ein nahes Gewässer zu unternehmen und mein Glück auf eine Forelle zu versuchen. Statistisch gesehen ein Ding der Unmöglichkeit, zumal ich erst vor Kurzem einen Riesen-Rapfen gefangen habe.

Genau 50 Minuten hatte ich noch Zeit.

Als ich mit den Watstiefeln im Wasser stand, verdunkelte sich plötzlich der Himmel!

Verflixt! Schnell warf ich die Rute aus.

Bämm! Eine kleine 25er Forelle schnappte den Köder. Noch bevor ich es begreifen konnte und erneut auswarf, schnappte schon Nummer 3 und 4 zu. Leider untermaßig.

Meine Ohren vernahmen ein donnerndes Geräusch. Die Luft wurde drückend schwül. Über mir braute sich ein rappelschwarzes Wolkenmeer zusammen.

Irgendwie schien das Wetter den Appetit der Fische anzukurbeln.

Ich überlegte scharf- gehen oder bleiben? Noch bestand die Hoffnung, dass die Wolken über mich hinwegziehen.

Ein letzter Einwurf. Ein Donnern im Hintergrund. Bämm!!! Da hing sie …eine 30er Bachforelle. Mein erster Geburtstagsfisch!

Eine Minute sprang ich vor Freude im Dreieck, die nächste Minute rannte ich zum Auto.

Angel rein! Watstiefel ausziehen! Mich ans Steuer setzen, Türe zu! Da kam er mit tosendem Gedonner und Blitzen: Der angekündigte Starkregen. Als ich zu Hause ankomme, fährt die Feuerwehr ihre Runden um die ersten Keller auszupumpen!

Das nennt man doppeltes Glück. In 15 min. einen Fisch fangen und 1 Minute vor Eintritt des Starkregens im Auto ankommen!

Danke! Danke! Danke!

Und was lernen wir aus diesem Mist?

Dass mit etwas Glück-auch Kurzzeitangeln erfolgreich ist.

Zu groß für den Kescher

Der 16. Mai gilt unter den Raubfischanglern ja als der inoffizielle Nationalfeiertag. Mittlerweile hat das sogar mein Mann verstanden, der mich am 16. Mai um 16 Uhr ans Wasser lies und sich um die Kinder kümmerte.

Während es morgens noch nass,kalt und bewölkt war, ging um 16 Uhr die Sonne am Himmel auf!

Ich beschloss mit dem Ruderboot lozufahren.

Erstmals ganz allein!

Das gute daran, wenn ein anderer (männlicher) Angler mit dabei ist (ich nenne jetzt keine Namen), ist die Tatsache dass man als Frau so gut wie nie rudern muss.

Somit wagte mich also heute also alleine auf den See, mitten unter die cirka 25 Angler die sich bereits auf dem dort eingefunden hatten!

Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde ich wäre ein guter Ruderer.

Mit sehr viel Mühe und Kraft eierte ich das Boot in einer guten halben Stunde hinüber zum andern Ufer.

Die zwei Boote in direkter Nähe waren voll besetzt mit mehreren Männern.

Blick Nummer eins trifft mich „ Noch ein Angler!“

Blick Nummer zwei: „Das ist ja ne Frau!“

Blick Nummer drei: „Nee, die hat wirklich ne Angel dabei!“

Kurzer „Angler-Smalltalk“ am Wasser:

„ Und geht was?“

„ Nö, bis jetzt nicht“

„ Bei uns auch nicht!“

„ Petri“

„ Petri Dank“

Nächstes Boot:

„Und schon was gefangen?“

„ Nö!“

„Wir auch nicht!“

So langsam verdichten sich die Boote an manchen Stellen…wenigstens weiß ich nun wo die ganzen Hot Spots sind!

Rudern ist anstrendend!

Als ich mit Mühe zwischen den drei Booten durchrudere, ruft mir plötzlich ein Angler vom Ufer aus zu:

„ Anglerverein Karlsruhe, Fischereikontrolle! Kommen Sie bitte ans Ufer!!“

Das soll jetzt wohl ein Witz sein, dachte ich mir!

Der See voller Boote und die Frau die sich einen abrudert wird rausgepfiffen!

Etwas angenervt rudere ich also zum Ufer.

„ Danke, Petri Heil“, das wars mit der Kontrolle. Das Boot steckt nun beim Ufer im Kies…und wer schubst es an?

Klar! Selbst ist die Frau! Mit etwas Anlauf schubse ich das Boot an und springe sportlich agil hinein, während mir beim Absprung das Wasser in den Gummistiefel läuft. Super! Aber aufgeben ist auch keine Lösung. Socken aus, Gummistiefel umdrehen und weiter geht’s.

Noch `ne Kontrolle wenn ich am andern Ufer bin muss wirklich nicht sein! Ich beschließe mit einem Spinner in Ufernähe vom Boot aus zu angeln.

Plötzlich ein Anbiss! Hecht!!! Ein Hecht denke ich mir….doch am Ende schaut mich ein 35 cm Rapfen an, der Radau machte wie ein 80er Hecht.

Fisch ist Fisch! Wenigstens gehe ich heute nicht Schneider nach Hause, denke ich mir so nebenbei.

Meine Angelkollegen auf den anderen Booten haben auch noch keinen Hecht gefangen.

Als ich in die Köderbox blicke, lächelt mich ein Wobbler an, den mir mein Angelfreund Achim mal geschenkt hat. Weiss im Zebradesign! Keine Ahnung was der fangen soll…aber ich beschloss dem Köder heute mal eine Chance zu geben, etwas an Wichtigkeit zu gewinnen.

Weit werfen lies sich der ca. 12 cm lange, fette Wobbler nicht….Von einem guten Köderlauf hätte ich jetzt auch nicht gerade gesprochen. Irgendwie eierte der Wobbler gewissermaßen an der Oberfläche herum. Bämmmmmm!!!

Plötzlich reißt es meine Rute nach unten.

Verdammt!!! Was war denn das? Als ich die Rutenspitze nach oben ziehe, zieht das Monster das gerade angebissen hat, meine halbe Rolle Schnur ab, obwohl die Bremse so gut wie zu ist.

In wenigen Sekunden stehe ich im Zentrum aller Augen der Bootsangler. Rutenspitze unten, Rutenspitze oben, Rolle schnurrt….Rolle fiept…..Rutenspitze an der Seite. Ein silberner Rücken!!!

Verdammt! Ein Rapfen!!

Dabei dachte ich immer, Stillwasserrapfen seien nicht so kampfstark!

Der Schweiß klebt mir auf der Stirn! Jeder Minute kommt mir vor wie eine Stunde. „Bloß nicht den Fisch verlieren, Sandra!“, sage ich mir immer wieder.

Schließlich ist er in Sichtweite! Verdammt!!! Vor mir kämpft ein 80+ Rapfen der für den meinen Bootskescher eine gute Nummer zu klein ist. Panik!

Mein Boot bewegt sich mit dem Rapfen mit und eiert wahllos mal nach links, dann wieder nach rechts.

„ Sollen wir helfen?“, ruft einer vonn drei Angler die gespannt die Situation beobachten!

Doch wie sollen die hier in 2 Minuten herrudern um den Fisch zu keschern? Und der Rapfen in meinem Bootskescher würde problemlos rausspringen mit seiner Größe und Kraft…Da musst jetzt durch!

Ich beschließe den 5 kg schweren Kämpfer mit der Hand zu landen, ungeachtet der Tatsache dass er mir gleich den Wobbler mitsamt dem Drilling in die Hand haut oder ich beim Landungsversuch ins Wasser falle.

Bingo! Da war er…84 cm geballte Kraft! Und ich war wider erwarten trocken und unverletzt!

Meine Knie zitterten noch gute 30 min.

Von mir aus könnte mich der nächste Kontrolleur jetzt rauswinken.

Ich wär jetzt soweit 😉

Was lernen wir aus diesem Mist,

dass auch in Stillgewässern mit Monsterrapfen zu rechnen ist!

Forellentagebuch 2018

Forellentag 1

Forellenangeln ist immer wieder eine Überraschung. Manchmal läuft es gar nicht, wie vor 2 Wochen als ich nach 4 Stunden Schneider nach Hause ging. Und manchmal steht man am Ufer und wird zum Lieblingsobjekt, schaulustiger Spaziergänger.

„Hey!!! Guck mal!!! Ne Frau!“

„Gibt es jetzt schon Fische im Wasser?“

Immerhin schweigen die meisten und blicken mich nur ratlos an.

Als sich eine Traube von 5 Spaziergängern hinter mir versammelt hat, zieht es urplötzlich meine Rutenspitze nach unten! Anhieb!!! Da flog sie, wie eine Condor im Anflug raus aus dem Wasser: Eine Bachforelle mit guten 35 cm geballter Kraft!

Nach links, nach rechts, nach links, rückwärts, vorwärts…..Die Spaziergänger kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die Hunde hinter mir bellen. Die Bachforelle kämpft!!! Hammer! Als ich den Kescher ins Wasser halte, rutsche ich ab und lande mit dem Gummistiefel im Wasser das in Kürze meinen Stiefel füllt.

Die Bachforelle springt erneut…veranstaltet eine Performance ähnlich eines Hechtsprunges… und hakt sich dabei selbständig ab.

Lange Gesichter bei den Spaziergängern.

Langes Gesicht bei mir.

Als ich den Spinner einhole, bleibt er an einem Ast hängen, als ich daran ziehe – schnallt er zurück.

Bämm!!Der Haken steckt in meinem Finger! Nach dem Entfernen fließt mir das Blut nur so über die Hand herunter!

So seh´n Verlierer aus!

Forellentag 2

Nachdem die Wetteraussichten gigantisch waren und im Terminplan nichts drinstand, freute ich mich wie ein Schneekönig, als mich Holger fragte, ob ich am Wochenende mit an die Murg zum angeln fahre.

Die einzige Hürde, die es nun noch zu überwinden galt, war mein Mann!

„ Schaaatz….!“, fing ich an.

„ Ich nehme an du willst angeln gehen?“, meinte der vielleicht beste Ehemann von allen.

„Hm….am Sonntag. Wäre es in Ordnung für dich wenn….“, hakte ich vorsichtig nach.

„Mit Holger? Kein Problem! So lange du willst!“, unterbrach er mich.

Ein Satz der runter ging wie Öl.

Eine Premiere! Angeln mit Open End bei über 20 Grad Celcius und wolkenfreiem Himmel!

Die graue Tonne gestern war erst gestern geleert worden: Eigentlich der sicherste Beissindex schlechthin, weil man mit Fischabfällen dann immer so unfreiwillig erfolgreich Maden züchten kann.

Gemeinsam mit Holger, Andreas und dessen Sohn ging es also um 10 Uhr an die Murg!

10 Uhr ist nicht wirklich die Zeit, wo man üblicherweise gut Forellen fängt.

Aber wann hat man schon mal einen Tag angelfrei? Dieses eine Mal war ich die Letzte am Wasser, dachte ich mir!

Einwurf …. der Köder hängt im Baum. Kein Rauben, keine Aktivität. Der Wasserstand an der Murg ist so niedrig wie schon lange nicht mehr!

Nach einer halben Stunde beschließen wir den Spot zu wechseln.

Einwurf….Bämm! Eine Forelle schnappt sich meinen Köder und…..hakt sich elegant noch vor dem Drill wieder selbst ab.

„Immerhin Fisch!“, meint Holger.

Am liebsten hätte ich geheult!

Plötzlich drillt Andreas eine 35er Bachforelle. Während ich gespannt nach drüben blicke, fährt plötzlich ein Ruck durch meine Rute.

„ Kescher!!! Holger!! Ich habe eine …“, schreie ich aufgreregt.

Mein eigener Kescher liegt rechts von mir- doch in der Aufregung dass mir auch diese Forelle möglicherweise vom Schonhaken entwischt, kann ich mich nur noch aufs Drillen konzentrieren.

Holger keschert meine erste Bachforelle 2018.

Nachdem alle etwas entspannter sind, läuft es wie am Schnürchen. Anbiss Andreas, Anbiss Holger. Anbiss Sandra. Diesmal lande ich eine Traumforelle mit 41 cm. Unglaublich!

Noch bevor sich das Adrenalin legen kann keschere ich wieder bei Holger und der in Folge wieder bei Andreas. Ein unbeschreiblicher Wahnsinn, den ich so bis dato nur vom Forellenpuff her kannte. Nachdem ich schließlich meine 3 Forellen gelandet habe, ist um die Mittagszeit ein Zwangsangelstopp angezeigt.

Wahnsinn! Meine Tageshöchstmenge ist erreicht. Und das, wo ich seit langem endlich mal wieder den ganzen Tag „angelfrei“ von meinem Mann bekommen habe!!!

Letztes Jahr, habe ich an der Murg einen einzigen Döbel gefangen.

4 Angler, 10 Fische…. in 2 Stunden an einem gewöhnlichen Fluss.

Was soll ich dazu noch schreiben…außer : Wahnsinn!

Ein Angeltag der in meine persönliche Geschichte eingeht.

 

Forellentag 3

Nachdem ich zuletzt also innerhalb kurzer Zeit so viele maasige Forellen an der Murg fing, dass mein Fangbegrenzung erreicht war, trat mal wieder die ungefähr 2wöchige Fang-Euphorie ein. Ein unbeschreibliches Gefühl der Sicherheit, dass es „so“ die nächsten Monate weitergeht. Also beschloss ich in voller Euphorie Samstagmorgens ein anderes Forellengewässer aufzusuchen. Insgesamt 2 Stunden Zeit hatte ich zu Hause herausgehandelt.

In Sichtweite raubte (mal wieder) eine bekannte und wunderschöne, große Bachforelle.

Alle zwei bis drei Minuten hüpfte eine altbekannte Forelle vor mir aus dem Wasser und präsentierte mir ihren Rücken.

Bereits zwei Tage beobachtete ich den Räuber bei der Jagd auf Insekten. Doch Spinner, Gummifische und Wobbler wurden nicht im Geringsten beachtet.

„Fliege!“, dachte ich mir! Warum war ich nicht gleich draufgekommen!

Trockenfliege, Nymphe, Streamer, Emerger….und wie sie allesamt heißen….in allen erdenklichen Farben und Größen….Ich präsentierte der Forelle mit einer mittlerweile fast vorbildlichen Wurftechnik….doch die Forelle raubte weiter! …ohne jegliches Interesse an meiner Fliege.

Ich beschloss das Vorfach zu ändern! Während ich die Rolle einkurble produzierte ich einen beispielslosen Schnursalat. Danach saß ich geschätzte 30 min. am Ufer und entwirrte meine Hauptschnur.

Plötzlich: Ein feindlicher Angler.

„ Und was geht?“, fragt er beiläufig und donnert seinen 2-erSpinner in die Strömung.

„ Guuuut!“, antworte ich, während mir mein Herz zu den Adern hochpocht und ich nur noch einen Wunsch verspüre: „Bitte!!! Bitte fange jetzt nicht meine Forelle….Nicht während ich hier meine Hauptschnur entwirre!“

„ Schon was gefangen?“, frage ich beiläufig nach.

„ Ja, ne 36er! Komischerweise beißen heute alle auf Spinner!“, bekomme ich zur Antwort.

„Oh Gott!!“ Mein Herz pocht geschwindigkeitstechnisch mittlerweile im Akkord.

Erneut zieht der Angler mehrmals den Spinner durch das Revier (der noch vorher dort springenden Forelle) durch.

Wenigstens hatte sie aufgehört zu springen! Meine Wenigkeit hatte sie wohl erfolgreich vertrieben.

„ Komm bloß nicht wieder in dein Revier zurück, bevor ich wieder einsatzbereit bin!“, dachte ich mir und entknotete unter massivem Stresseinfluss weiter meine Fliegenschnur.

Minuten die einem wie Stunden vorkommen!

Jeder Einwurf des Anglers ein Horror in meinen Ohren und Augen!

Sollte ich ihm vielleicht erzählen dass ich auf der andern Seite gerade eine kapitale Forelle verloren hatte? Oder dass es vorhin am andern Ende des Flusses gerade geraubt hat?

Hm….??? Lügen können andere Angler besser, dachte ich mir. Zudem wäre es schon dreist, wenn ich dann zufällig vor Ort bleiben würde…oder noch schlimmer….Der Angler lässt mir den Vortritt und ich muss auch noch meinen Hot Spot verlassen um meine Glaubwürdigkeit zu bewahren!

„Ob ich ihm vielleicht offen und ehrlich sagen soll, dass ich hier- genau hier- gerne weiterangeln möchte, weil ich seit drei Tagen hinter dieser- und nur dieser einen Forelle her bin?“, ich überlegte still.

„Da ist ne Forelle! Die springt immer und jagt an der Oberfläche! Seit 2 Wochen versuche ich sie schon zu fangen, aber sie nimmt weder Blinker, Spinner, Wurm, noch Wobbler!““, meint der Angler zu mir.

Verdammt! Der Feind hat geheime Informationen!

„ Ahhhja??“, frage ich, „ vielleicht sollte ich mal mein Glück mit der Fliege probierren?“

Der Angler überlässt mir meinen Platz ( yessssss!!) auf dem ich erneut mit einem neuen Vorfach durchstarte.

Erfolglos.

Nach einer Stunde beschließe ich nach Hause zu fahren.

Und wenn die Forelle bis heute keiner gefangen hat, springt sie noch immer.

Und was lernen wir aus diesem Mist?

Dass nicht jede Forelle fangbar ist.[:]

50 Forellen

 Vor einiger Zeit lief im Fernsehen der Film „Lachsfischen im Jemen“.

Zufälligerweise blieb ich an dem Film hängen, als ich abends Herrin der Fernbedienung war und das Fernsehprogramm aussuchen durfte:

Zapp…und Zapp….und Zapp….Moment….der hatte doch ne Angel in der Hand! Zurück und….das standen die zwei Hauptdarsteller mit Fliegenruten im Wasser, als der rechte ( ein Scheich) zum linken Angler (ein Fischereiexperte) sagte:

„Ich fische immer mit ihrer Fliege, mit der Alfred-Jones-Fliege!“

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, Sandra!“ bruttelte es rechts von mir auf dem Sofa.

„…der gibt einem Köder seinen eigenen Namen?“

Also im Prinzip, fand ich die Idee gut!

Auf jeden Fall war ich am Wochenende zum angeln verabredet, und zwar mit ein paar Fliegenfischern am Forellensee im Schwarzwald.

In unterkühlter Erinnerung an unsere letzte Fliegenfischaktion in Frankreich als der See halb zugefroren war und wir 80 Euro für eine Forelle hinblätterten….überlegte ich tagelang ob ich die Aktion nicht abblasen sollte.

Tagelang schossen Bilder in meinen Kopf mit blauen Fingern, Schneebergen, leeren Eimern und versehentlich-verlorenen-mit-Liebe-gebundenen Fliegen!

Tagelang….ja tagelang, bis….ja, bis ich Mittwochs im Asialaden einkaufte und spontan einen Glückskeks entscheiden lies.

Wahrscheinlich steht jetzt wieder sowas drin wie „Der Tag ist zu Ende wenn es Nacht ist“

Doch der Keks offenbarte mir folgendes:

 

Ich entschied mich also für die Herausforderung!

Um 8 Uhr des Angeltages sprangen nochmal 2 Leute ab, die unbedingt mitwollten, denen aber 1 Grad Celcius Angeltemperatur morgens um 8 Uhr dann vermutlich doch etwas zu frostig war. Es blieb der harte Kern:

Tjaark, Peter und meine Wenigkeit.

Einsam standen wir am großen See, während noch vereinzelt die letzten Schneeberge auf der Wiese standen.

„Wir brauchen 42 Forellen!“ ,meinte Tjaark. Ich brauchte vier und Peter auch.

50 Forellen!

Zur Sicherheit hatte ich noch eine Ansitzangel und eine Spinnangel dabei, Schneider durfte ich heute auf keinen Fall nach Hause kommen!

Dann ging es los. Tjaark hatte bereits den Platz auf dem langen Holzsteg eingenommen und drillte bereits Forelle um Forelle.

Und ich….verlor meine ersten drei Fliegen zuerst mal hinter mir im Gras.

Während ich montierte, drillte Tjaark Forelle Nummer neun! Schön in Zwangs-Sichtweise- auf dem Holzsteg mitten des Sees.

Neiiiin- so etwas setzt eine Mittelklasse-Fliegenfischer wie mich gaaaaar nicht unter Druck!

Danach ging gar nichts mehr. Verknuddelte Schnüre, laut aufplatschende Fliegen vor denen die Forellen flüchteten…Und auf dem Holzsteg wurde Forelle um Forelle gefangen.

Frustriert blickte ich auf meinen leeren Eimer.

Ok, dachte ich!

Jetzt nimmst du deine Spinnrute und machst was du richtig gut kannst. Spinnfischen!

3 Einwürfe- 3 Bisse. Jetzt war ich beruhigt.

Peter tat dasselbe.

Von nun an konnte ich entspannt Fliegenfischen-ohne Fangzwang. Immerhin waren 3 Forellen sicher!

Ich beschloss an einen der kleineren Seen zu gehen. Doch die Forellen schwammen regelrecht um jede Trockenfliege und Nymphe herum, um sich 1 Meter nebendran auf die Bienenmaden zweier Männer zu stürzen. Eine Stunde lang donnerte ich erfolglos mein ganzes Repertoire an Fliegen ins Wasser. Erfolglos.

„Wooly Bugger schwarz mit sinkendem Vorfach!“, bekam ich schließlich den Tipp von Tjaark, nachdem ich schon wieder langsam mit der Spinnrute liebäugelte.

Selbstverständlich hatte ich ein schwimmendes Vorfach und keinen Streamer dabei!

„ Nimm von mir einen!“, bot mir Tjaark an.

Verdammt! Den letzten den mir Tjaark auslieh, hängte ich nach 2 Minuten in den Baum!

Ich zögerte. Dann griff ich doch in die Köderkiste von Tjaark.

Auswurf und….weg war Wooly Bugger!

Ein zweites Mal getraute ich mich nicht zu fragen, immerhin hatte Tjaark noch immer den ersten dran!

Wieder eierte ich an den Seen mit meiner Trockenfliege herum.

Zuletzt sogar mit Genehmigung vom Chef am oberen Aufzuchtbecken.

Doch die Forellen schwammen einfach um meine Fliegen drumherum!

Wütend schnappte ich meine Spinnrute und zog einmal den Spinner durch! Ich wollte wissen ob ich der Fiegenlooser war oder ob die Fische einfach keinen Hunger hatten!

Einwurf! Rums. Die Forelle hing!

Enttäuscht kehrte ich mit Forelle und Fliegenrute am großen See zurück.

Ein sichtlich strahlender Peter empfing mich am Wasser!

Er hatte soeben eine Forelle auf Fliege gefangen- und zwar auf die ziemlich hässlichste Fliege in schwarz-weiss. Dick und einfach und alles- aber nichts was ihr auch nur den Hauch einer Fängigkeit gegeben hätte.

Das einzig Beste war: Sie war selbstgebunden!

Peter entnahm nun Nummer zwei seiner selbstgebundenen Fliegen. Modell zwei stellte Modell eins gehörig in den Schatten! Eine lange, große Fliege in Streamer-Marnier, mit einem langen weißen Schweif, Glitzer und beschwerten Augen!

Das Ding bewegte sich im Wasser elegant wie ein lambada-tanzender Guppy.

Vor 1 Jahr hatte Peter das Ding beim gemeinsamen Fliegenbinder-Treff bei mir zu Hause gebunden. Jetzt war also Premiere!

Bämmm! Da hing sie. Fliegenforelle Nummer zwei!

Nächster Einwurf- Fliegenforelle drei!

Peter wurde mutig und holte einen grün-orangenen Streamer mit roten Augen aus der Box!

Ebenfalls selbstgebunden!

In Sichtweite ein Schwarm Forellen!

Einwurf Sandra – eine einzige Forelle schaut sich die Fliege an und wendet sich blitzartig zu Peters knallebunten do-it-yourself-Fliege.

Die restlichen Fische folgen ihr.

Peter kann sich quasi nicht mehr vor einem Anbiss schützen! Bämm! Die nächste hängt.

Dann kam Thomas noch dazu, ein weiterer Fliegenfischer.

Erster Auswurf und die Schnur landet gerade, perfekt und gute 20 Meter weit im Wasser!

Beeindruckt von der perfekten Wurftechnik blicken Peter und ich uns an.

„ Fassen wir also zusammen!“, meinte ich zu Peter, „ Tjaark ist der erfolgreichste Fänger, Thomas der erfolgreichste Werfer, du der erfolgreichste Fliegenbinder! Doch welche Rolle habe ich heute?“

Peter zögerte und lachte„ …wie wärs mit der der Kescher-Liesl ?“ Da biss auch schon wieder die nächste Forelle an bei ihm.

Irgendwie machte mir keschern tatsächlich sogar mehr Spaß als fliegenfischen mit der falschen Fliege!

„Komm, nimm mal meine Fliege!“, meinte Peter.

Ich überlegte…. immerhin hatte ich schon 6 Fliegen im Gras und an Ästen verloren. Tjaarks Streamer eingeschlossen. Eine selbstgebundene Super-Fliege anzufassen traute ich mich nicht (mehr). „ Ist nicht schlimm wenn sie weg ist, dann binden wir einfach ne Neue!“, beruhigte mich Peter und brachte seine Forelle vor zu Tjaarks Fischeimer.

„BESTE CHANCEN-NUTZEN SIE JEDE GELEGENHEIT!“ dachte ich so bei mir. Den Glückskeks stets vor Augen.

Nach etwas Zögern, ergriff ich die Chance.

Einwurf Peters Fliege und….4 Forellen verfolgen aufgeregt den Köder!!!! Das Adrenalin schießt mir wie ein Wasserfall ins Blut. Bämmm! Da hing sie! Meine Fliegenforelle!!!

„ Jaaaaa! Ich habe ne Fliegenforelle!!!!“, schrie ich vor Freude quer übern See!Mit Peters Fliege“

Gefühlt hat der ganze See geklatscht.Real kein Schwein. Aber gefreut hat es mich bis in die Abendstunden.

„Und wie heißt die Superfliege? Die Peter-Fliege“, meinte ich.

„Nee, eher brasilianische Sommerparty-Fliege“, meinter er, „die binden wir dann nochmal, bevor wir nächstes Mal wiederkommen!“

Und was lernen wir aus diesem Mist?

Dass Fliegenbinden doch sinnvoll ist![:]

Frauen und Angeln

„Frauen soll das angeln näher gebracht werden!“ So oder so ähnlich lautet die Zielsetzung der diesjährigen Messe Aquafisch am Bodensee. Eigens dafür engagiert man Claudia Darga, die als Botschafterin fungieren soll.

Es wäre gelogen, wenn es ich nicht zugeben würde, dass es mich in den Fingern kribbelte, als ich die Strategie durch mein Großhirn filterte.

Wenn die männlichen Funktionäre von Verbänden sich Gedanken machen darüber, „was Frauen wollen“, kann nicht wirklich viel Gutes dabei rauskommen.

Vor 3 Jahren hatte ich mich schon einmal zu einem Angelkurs für „Ladies“ angemeldet. Die Organisatoren und Instruktoren: Alle männlich! Am Ende hielt ich einen Prosecco in der Hand, eine pinkfarbene Rute, eine knallpinke Tasche mit der Aufschrift „ I love fish“ und mein Ohr blutete schon leicht, von den „Guides“ die mir erzählten welche Riesenfische sie schon gefangen haben in ihrem Leben. Einen Fisch fing keine der Frauen- und das in einem besetzten Forellensee!

Und jetzt? Jetzt wollen die männlichen Chefs und Geschäftsführer der Angelszene also „Frauen an die Angel bringen“. Oder besser gesagt Caudia Darga soll das nun erledigen.

Nur mal so als Überlegung liebe Männer:

Glaubt ihr wirklich wir Frauen kommen wegen einer attraktiven Anglerin auf die Aquafish oder identifizieren uns mit ihr, wenn wir sie in der Zeitung sehen?

Angeln ist nun einmal männerdominiert! In einer ähnlichen Quote wie Ballett frauendoimiert ist.

Mein Sohn entschloss sich im Alter von vier Jahren, dass er gerne Ballett machen möchte. Ich erinnerte mich daran, wie ich als 4jährige in den Fussballverein wollte und mir meine Mutter es ausgeredet hatte „weil das nur was für Jungs sei!“. Selbstverständlich stimmte ich zu.

Die Ballettlehrerinnen breiteten den roten Teppich aus. Jede Umdrehung – egal wie schief- wurde mit Beifall honoriert. Die Mädchen knuddelten ihn und überhäuften ihn mit Süßigkeiten.

Als er fünf Jahre alt war, hörte er schlagartig auf beim Ballett.

Sein Kumpel hatte ihn gefragt, ob er „auch ein Tütü tragen würde beim Ballett“!

Als ich meinen Freundinnen damals erzählte, dass ich den Angelschein gemacht habe, kam fast immer dieselbe Reaktion: Zuerst ein 2-Sekundenlanger Gesichtsabsturz, gefolgt von den Satz „Tötest du auch die Fische?“.

Was ich damit sagen möchte ist ganz einfach: Auch wenn fast jede Telenova im Fernsehen mittlerweile ein homosexuelles Päärchen hat, sind wir noch lange nicht von Klischees befreit was in der heutigen Welt normal ist.

Doch wie ändert man ein Klischee?

Indem man Bruce Willis bei den Internationalen Ballettmeisterschaften ins Foyer stellt um Männer an die Ballettstange zu bringen? Mal im Ernst- würde euch das überzeugen?

Meiner Meinung so wenig, als dass eine Teamanglerin die überwiegend männliche Kundschaft davon überzeugen wird, ihr Frauen die während sie auf der Messe sind, Wellness im betreiben, an die Angel zu bringen!

Und liebe Männer!! Kommt bloß nicht auf die Idee eure Frauen im Anschluss mit der Aussage überreden zu wollen „Schau mal ich habe ein Foto gemacht mit dieser bildhübschen Claudia Darga im Arm! Die ist der Meinung dass auch du angeln kannst!“.

Sowas kommt überhaupt nicht gut an!

Was ich damit sagen möchte: Und….. wenn wir die Welt von Klischees befreien wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen. Wenn wir Klischees ändern wollen, müssen wir zuerst ihren Ursprung verstehen.

Und der Ursprung sind Fakten die Klischees gegründet haben. Frauen haben schon allein wegen ihrer körperlichen Statur eher ein Affinität zum sammeln, als zum jagen (oder fischen).

Wir sind dafür gemacht Dinge zu suchen, zu finden und zu horten. Genau das ist der Grund, warum wir uns über jedes Paar Schuhe freuen- obwohl wir schon 20 Paar im Schrank stehen haben! Der Grund warum wir shoppen gehen. Wir gehen unserem Urtrieb nach- wir sammeln!

Und wir sehen auch (fast) alles. Die Butter im vollen Kühlschrank, das Lieblingsschampoo in einem Regal mit 95 verschiedenen Flaschen und die richtigen Spaghetti in einem fünf Meter-langen Nudelregal im Supermarkt! Und wir sehen auch die attraktive Frau auf der Aqua-Fisch, die angelt und die uns unter Druck setzt zu angeln, weil unser Liebster sie genau deswegen anschwärmt.

Die Aqua-Fisch ist vielleicht ein Ort der diese Sehnsucht der Frauen zu angeln wecken kann. Doch dafür muss ich die Frauen erst einmal dazu bewegen auf die Messe (mit) zu gehen. Und solange ich 11 Euro Eintritt bezahlen muss als Nichtanglerin – bleibe ich da lieber im Hotel und gönne mir einen oder zwei Detox-Smoothies. Auch wenn das Zeug widerlich schmeckt. In dem Magazin stand nämlich es soll gesund sein.

Angeln – das heißt für Frauen genau sechs Dinge:

1.) Ruhig sein. Und das wo wir doch das kommunikationsfreudigste Geschöpf dieser Welt sind.

2.) Draußen zu Frieren. Und das wo wir ohnehin immer kalte Hände und Füße haben.

3.) Eventuell ein Tier töten zu müssen. Und das wo die Hälfte unserer Freundinnen Vegetarier sind.

4.) Sich optisch zu entstellen. Oder genauer: Sich in tarnfarbener, wasser- und winddichter Angelkleidung und potthässlichen Gummistiefeln optisch völlig zu entstellen und am Ende vielleicht sogar nach Fisch zu riechen.

5.) Hinter einen Busch zu pinkeln und dabei hoffen, dass einem keine Zecke den Hintern hochkrabbelt. Im Stehen, am Baum klappt das leider nicht so gut bei uns.

6.) Nicht ausschlafen zu können, wo man bis nachts um 2 Uhr einen Liebes-Roman gelesen hat, weil man noch unbedingt wissen wollte ob sich der untreue, böse, wunderhübsche Millionär im Buch nun tatsächlich in die durchschnittliche Protagonistin verliebt und plötzlich ein guter Mensch wird.

Wer Frauen zum angeln bringen will, muss genau diese Probleme lösen. Bringen wir die Sache auf den Punkt:

Frauen die gerne reden, sollen auch am Wasser reden dürfen! Und wer glaubt, deswegen beißen die Fische nicht, der soll mit seiner Liebsten spinnfischen gehen. Spätestens nach 3 Kilometer Laufstrecke am Rhein, reden auch wir Frauen weniger.

Wir Frauen fühlen uns, wenn es uns kalt ist, mindestens so schlecht wie ihr Männer wenn ihr mit einem grippalen Infekt im Bett liegt!

Stattet uns aus! Mit Tee, warmen Decken, elektrischen Taschenwärmern, gefütterten Gummistiefeln und viel Liebe.

Lasst uns nicht mehr als mit einem Haken angeln, damit die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Fisch versehentlich noch woanders haken als am Maul, deutlich sinkt.

Wenn man einen Fisch mit einem Tuch festhält, kann man ihn schneller betäuben und töten. Und das ist uns Frauen vielleicht wichtiger als den Männern. Warum wohl gibt es so wenige Metzgerinnen auf der Welt?

Ansonsten hilft uns bei Abhaken des Fisches im Wasser.

Lasst uns nach dem Angeln ein Bad ein, damit wir uns wieder gesellschaftsfähig fühlen.

Geht mit uns Frauen, erst einmal an einen gut besetzten Forellensee! Und bitte: Freut euch wenn wir den größeren Fisch fangen! Seid für uns der Angelfreund den ich euch selbst wünscht! Auch wenn euer männliches Ego etwas anderes möchte.

Ihr Männer seid für uns Frauen die Helden am Wasser! Weil ihr da draußen stärker seid, nicht so schnell friert und weil ihr euch nachts allein am Wasser aufhalten könnt, ohne dass ihr Angst haben müsst, dass ein Triebtäter kommt, euch zu Boden reißt und vergewaltigt. Weil ihr in der Lage seid uns mit Essen zu versorgen. Genau um diesen Urtrieb geht es beim angeln. Wir wissen das. Ihr müsst es uns Frauen nicht durch eure Fanggalerie beweisen. Wir brauchen das so wenig als wie ihr entscheiden möchtet ob die zinoberroten, kirschroten, dunkelroten oder orangeroten Schuhe besser zu unserem Kleid passen.

Zeigt uns was ihr könnt. Nehmt Rücksicht auf unsere naturgegebenen Nachteile. Macht keinen Wettkampf daraus. Überredet uns nicht zum angeln. Weckt die Sehnsucht nach dem Wasser und der Natur in uns! Dann werden auch wir mit angeln gehen.[:]

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